Schritt-für-Schritt-Anleitung & Tipps für Töffli-Schrauber
Dein Hobel stand den Winter über still, du freust dich aufs erste Mal losfahren – und statt des lieblichen Zweitakt-Knatterns gibt’s nur Husten und Stottern. Klassiker: Der Vergaser deines Mofas ist dicht. Alte Benzinreste, feiner Rost oder Schmutz aus dem Tank setzen Düsen und Kanäle zu. Das Resultat: Null Leistung, Aussetzer oder gar kein Start. Damit dir das nicht den Saisonstart vermiest, haben wir für dich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Reinigen deines Vergasers zusammengestellt. Du wirsch schnäll merke, es bruucht nid viel, und dä Töffli schnurrt wieder wie e Büsi. Drum: Werkzeug i d’Hand neh, dä Gaser putze – und de Fahrtwind spüre, wänn’s wieder uf d’Strass geit.
Warum verdrecken Mofavergaser überhaupt?
Meist steckt hinter dem Stottern nach der Winterpause ein banaler Grund: In der Schwimmerkammer des Vergasers haben sich Reste der Zweitaktmischung gesammelt. Das Benzin ist über die Zeit verdunstet, zurück bleiben klebrige Ablagerungen, die die Vergaser-Düsen deines Mofas und Kanäle zusetzen.
Aber ein verschmutzter Vergaser ist nicht nur ein Problem nach längeren Standzeiten. Auch während der Saison kann er verdrecken – zum Beispiel, wenn dein Hobel über Nacht im Schopf steht und sich im halbgefüllten Tank Kondenswasser bildet. Vor allem bei starken Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht entsteht zusätzliche Feuchtigkeit, die sich im Tank deines Puch-Mofas sammelt. Rostpartikel lösen sich und wandern mit dem Benzin in den Vergaser, wo sie Düsen oder Kanäle blockieren.

Ebenso kann ein rissiger oder zugesetzter Luftfilter dafür sorgen, dass Staub und Schmutz ungehindert ins Gehäuse gelangen. Und selbst bei frischem Benzin bilden sich Ablagerungen, wenn Ölreste der Zweitaktmischung nicht vollständig verbrannt werden. Mit anderen Worten: Egal, ob dein Hobel länger steht oder du ihn regelmässig bewegst – der Vergaser ist immer anfällig für Dreck. Genau deshalb lohnt es sich, ihn im Auge zu behalten und bei Bedarf gründlich zu reinigen, bevor kleine Partikel grossen Schaden anrichten.
Typische Symptome eines verdreckten Vergasers
Bevor dein Töffli gar nicht mehr anspringt, gibt es meistens schon deutliche Warnzeichen. Oft läuft der Motor im Standgas unruhig oder geht einfach aus, obwohl Zündung und Kerze in Ordnung sind. Beim Anfahren merkst du, dass er kurz zögert oder sich verschluckt, bevor er hochdreht. Auch auf der Geraden zeigt sich ein zugesetzter Gaser: Die Endgeschwindigkeit sinkt, der Motor deines Mofas wirkt zugeschnürt und dreht nicht mehr sauber aus. Manche Töfflibuebe und Töfflimeitli bemerken sogar, dass der Verbrauch steigt, weil die Mischung nicht mehr stimmt. Ignorierst du diese kleinen Symptome, verschärft sich das Problem schnell. Irgendwann springt deine Piaggio-Perle nur noch widerwillig an – oder bleibt komplett still. Deshalb lohnt es sich, genau auf diese Vorzeichen zu achten und den Vergaser rechtzeitig zu reinigen, bevor die Rost- oder Schmutzpartikel zur Spassbremse werden.

Wie oft solltest du den Vergaser reinigen?
Einen fixen Kilometerstand oder ein genaues Serviceintervall gibt es beim Vergaserreinigen nicht. Vielmehr kommt es darauf an, wie du dein Töffli nutzt. Nach der Winterpause lohnt sich fast immer ein Blick in den Gaser, weil in der Schwimmerkammer Ablagerungen zurückbleiben können. Auch wenn dein Hobel länger rumsteht oder du einige der genannten typischen Symptome bemerkst, ist das Reinigen angesagt. Wer regelmässig mit dem Mofa unterwegs ist, macht mit einer gründlichen Reinigung ein- bis zweimal pro Jahr nichts falsch. Damit stellst du sicher, dass dein Mofa-Motor zuverlässig Sprit bekommt, sauber Gas annimmt und nicht wegen verstopfter Düsen oder verschmutzter Kanäle schlappmacht. Steht also fest, dass dein Gaser eine Reinigung nötig hat, geht’s an die Vorbereitung. Bevor du beginnst, haben wir für dich im nächsten Abschnitt die Checkliste mit Werkzeugen und Werkstattmaterial, die du beim Reinigen griffbereit haben solltest.
Was du für die Vergaserreinigung alles brauchst
Bevor du dich an den Ausbau machst, check zuerst deine Werkbank. Es gibt nichts Nervigeres, als wenn du mitten in der Arbeit merkst, dass ein Schraubenschlüssel fehlt oder der Reiniger leer ist. Für eine gründliche Vergaser-Reinigung an deinem Mofa brauchst du:
Werkzeug:
- Passende Schraubenschlüssel
- Schraubendreher (Schlitz und Kreuz)
- Eine Zange, je nach Modell auch Inbusschlüssel.
Reinigungsmittel:
- Am besten speziellen Vergaser- oder Carb Cleaner; Bremsenreiniger geht zur Not auch, sollte aber nicht mit Gummiteilen in Kontakt kommen.

Hilfsmittel zum Reinigen:
- Saubere Lappen
- Kleine Bürsten (Messing oder Kunststoff)
- Druckluftwerkzeug
Optional: ein Ultraschallbad
- Mit einem Ultraschallbad entfernst du ohne viel Arbeit auch hartnäckige Verschmutzungen.
Ersatzteile:
- Neue Dichtungen, falls die alten schon porös oder rissig sind.
Hast du das alles parat, kannst du den Mofavergaser ohne Unterbruch ausbauen, zerlegen und wieder zusammensetzen – und musst nicht zwischendurch mit dreckigen Händen nach fehlenden Teilen suchen.
Ausbau und Zerlegen des Töfflivergasers
Bevor du deinen Töfflivergaser reinigen kannst, muss er natürlich ausgebaut werden. Stell dein Töffli zuerst sicher ab – am besten auf den Hauptständer oder auf einen Montageständer – und schliesse den Benzinhahn. So verhinderst du, dass dir beim Abziehen des Benzinschlauchs der Sprit entgegenläuft. Hast du noch Benzin im Tank deines Mofas, fang es vor dem Reinigen in einem geeigneten Gefäss auf.
Jetzt zum Ausbau: Zieh den Benzinschlauch deines Puch-Mofas vorsichtig ab, löse die Bowdenzüge deines Mofas (Gaszug, allenfalls Choke- oder Startzug) und schraub den Gaser vom Ansaugstutzen. Bei den meisten Töfflis – etwa an deinem Puch Maxi Mofa – kommst du relativ einfach ran, da der Vergaser frei zugänglich sitzt. Fährst du dagegen ein Piaggio Ciao Mofa ist der Platz enger: Oft hilft es bei der Piaggio-Perle deswegen, den linken Seitendeckel am Variobereich abzunehmen – so kommst du deutlich leichter an die Befestigungsschrauben und den Ansaugstutzen.

Sobald der Vergaser deines Mofas draussen ist, richte dir einen sauberen Platz ein, auf dem du arbeiten kannst. Lege ein weisses Tuch oder Papier aus und ordne die Einzelteile so, dass du sie später nach dem Reinigen beim Zusammenbauen problemlos zuordnen kannst. Ein einfacher Tipp: Mach mit dem Handy ein paar Fotos während des Zerlegens. So hast du eine sichere Referenz und weisst beim Zusammenbau genau, wo welches Teil hingehört.
Jetzt zerlegst du den Töfflivergaser: Schwimmerkammer abnehmen, Düsen und Nadeln herausschrauben, falls vorhanden den Benzinfilter an deinem Mofa ausbauen. Bei einem Dell’Orto SHA ist das meist mit wenigen Handgriffen erledigt, weil er sehr übersichtlich aufgebaut ist. Bei einem Bing-Vergasern brauchst du dagegen oft etwas mehr Fingerspitzengefühl und auch etwas mehr Zeit. Damit ist alles angerichtet für das gründlich Reinigen!
So kriegst du den Töfflivergaser wieder sauber!
Jetzt muss der Dreck weg – und zwar gründlich. Erst mit einer sauberen Schwimmerkammer, freien Düsen und blitzblanken Kanälen läuft dein Mofa wieder so, wie es soll. Mit etwas Geduld und den richtigen Handgriffen schaffst du das Reinigen ohne Probleme zuhause in deiner Garage.

Vorbereitung:
Dreh die Gemisch- und Leerlaufschraube vorsichtig bis zum Anschlag hinein und zähl die Umdrehungen mit. So findest du später deine Grundeinstellung wieder. Alle Dichtungen, O-Ringe und Gummiteile legst du beiseite – sie vertragen weder Bremsenreiniger noch Ultraschall.
Düsen & Kanäle:
Leg Haupt- und Nebendüse in einen kleinen Becher mit Vergaserreiniger und lass sie kurz einwirken. Danach mit Druckluft gründlich von beiden Seiten ausblasen. Wichtig: Keine Nadeln oder Drähte zum Reinigen verwenden – die weiten die Bohrungen und ruinieren dir die Abstimmung.
Gehäuse:
Sprüh die Kanäle mit Reiniger durch, bis er an der anderen Seite wieder austritt, und blas dann mit Druckluft nach. Nylon- oder Messingbürsten helfen bei hartnäckigen Ablagerungen, ohne das Material zu zerkratzen.

Schwimmer & Nadelventil:
Kontrolliere den Schwimmer auf Risse oder Benzinfüllung und prüfe, ob das Nadelventil sauber schliesst. Im Zweifel ersetzen – diese Kleinteile verursachen oft die grössten Probleme.
Dichtungen bei Bedarf erneuern:
Schau dir alle Dichtungen genau an. Sind sie rissig, verhärtet oder plattgedrückt, tausch sie gleich aus. Ein neuer Dichtsatz kostet wenig, verhindert aber Falschluft und Spritlecks – besonders bei älteren Bing- oder Dell’Orto-Vergasern eine gute Investition.
Zusammenbau:
Setz nach dem Reinigen alle Teile in umgekehrter Reihenfolge wieder ein. Achte darauf, dass Düsen und Nadeln richtig sitzen und die neuen Dichtungen sauber anliegen. Schrauben nur gefühlvoll anziehen – das Gehäuse ist meist aus weichem Zink oder Alu. Stell Gemisch- und Leerlaufschraube auf deine notierte Grundeinstellung zurück.
Nach dem Reinigen: Test & Feinabstimmung
Bau den Mofavergaser wieder ins Töffli ein, schliess Schläuche und Züge an und öffne den Benzinhahn. Kontrolliere zuerst, ob alles dicht ist.
Nun startest du den Motor. Nach dem Reinigen sollte er deutlich leichter anspringen. Lass ihn mehrere Minuten im Stand laufen, bis er seine normale Betriebstemperatur erreicht hat. Nur bei warmem Motor kannst du die Einstellungen für Standgas und Gemisch zuverlässig vornehmen.
Für das Standgas suchst du die Leerlaufschraube am Vergaser. Drehst du sie im Uhrzeigersinn hinein, steigt die Leerlaufdrehzahl; drehst du sie heraus, sinkt sie wieder. Ziel ist ein ruhiger, gleichmässiger Leerlauf, bei dem der Motor nicht abstirbt und die Kupplung noch nicht mitnimmt.
Falls dein Vergaser eine Gemischschraube hat, folgt nun die Feinjustierung. Drehe sie in kleinen Schritten von jeweils einer Viertelumdrehung und beobachte das Laufverhalten. Beachte, dass die Wirkungsrichtung vom Vergasertyp abhängt: Bei einer Luftschraube (meist ansaugseitig) bedeutet „im Uhrzeigersinn“ weniger Luft und damit reicher; bei einer Kraftstoffschraube (motorseitig) bedeutet „im Uhrzeigersinn“ weniger Kraftstoff und damit magerer. Suche den Punkt, an dem der Motor gleichmässig und stabil läuft; ein leicht fetteres Setting ist sicherer als zu mager, weil es Überhitzung vermeidet und die Schmierung sichert. Hat dein Dell’Orto SHA keine Gemischschraube, beschränkt sich die Einstellung auf das Standgas.
Zum Abschluss nach dem Reinigen machst du eine kurze Probefahrt. Dabei prüfst du, ob dein Hobel gleichmässig Gas annimmt, sauber hochdreht und das Standgas auch nach dem Anhalten stabil bleibt. Wenn das alles passt, dann weisst du: Der Dreck ist weg, die Mission ist erfüllt und dein Töffli ist bereit für die nächste Ausfahrt.









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