Ausbessern oder neu lackieren?
Deine Perle ist ein echter Hingucker. Jedes Töfflimeitli und jeder Töfflibuebe dreht sich nach ihr um. Ganz besonders, wenn dein Hobel so wie jetzt frisch geputzt in der Frühlingssonne steht, die Chromteile funkeln und der Lack glänzt. Aber gerade als du diesen Anblick wirklich geniesst, entdeckst du einen feinen Kratzer im Lack. Nein! Doch! Oh! Ärgerlich, aber zum Glück noch lange kein Grund, das halbe Töffli auseinanderzunehmen und neu zu lackieren. Viele kleine Lackschäden am Mofa lassen sich mit überschaubarem Aufwand kaschieren oder ausbessern. Entscheidend ist, wie tief der Lackschaden reicht und ob der Mofalack rundherum noch fest sitzt. Wir zeigen dir, welche Kratzer du wegpolieren oder ausbessern kannst und wann du dein Mofa oder einzelne Teile besser neu lackierst. Also, nöd grad d’Schleifmaschine uspacke – mängisch bruucht’s viel weniger, als mer denkt.
Kannst du den Lackschaden an deinem Töffli noch ausbessern?
Ein feiner Kratzer am Tank, weil der Reissverschluss deiner Jacke über den Lack geschrammt ist, ein kleiner Lackabplatzer am Rahmen oder eine tiefere Schramme: Nicht jeder Lackschaden an deinem Mofa lässt sich mit Politur oder Lackstift beheben. Wie du das Ausmass des Lackschadens beurteilst, stellen wir dir in den folgenden Abschnitten genauer vor.
Lässt sich der Kratzer noch auspolieren?
Reinige die Stelle zuerst gründlich und lass sie trocknen. Gerade auf dunklem Lack können Fremdabrieb, Staub oder eine stumpfe Spur tiefer wirken, als sie wirklich sind. Schau dir den Kratzer danach bei gutem Licht aus verschiedenen Winkeln an.
Eine feine Linie, die hauptsächlich im Gegenlicht auffällt und sich mit dem Fingernagel kaum ertasten lässt, sitzt meist nur an der Oberfläche. Solche Kratzer kannst du häufig auspolieren oder zumindest so kaschieren, dass sie kaum noch auffallen.
Bleibt dein Fingernagel beim vorsichtigen Darüberfahren deutlich hängen, reicht Polieren meistens nicht mehr. Dasselbe gilt, wenn du im Kratzer bereits einen andersfarbigen Untergrund erkennst. Sitzt der Lack direkt daneben noch fest und beschränkt sich der Lackschaden auf eine kleine Stelle, kannst du ihn trotzdem oft lokal ausbessern. Ein Steinschlag oder eine kleine Abplatzung bedeutet also noch lange nicht, dass Tank, Rahmen oder Schutzblech deines Piaggio Ciao Mofas komplett neu lackiert werden müssen.

Liegt schon Metall frei oder bildet sich Rost?
Bei einem tieferen Lackschaden solltest du genauer hinsehen. Ist am Rahmen, Tank oder Schutzblech bereits blankes Metall sichtbar, fehlt dort nicht nur Farbe. Die beschädigte Stelle ist auch nicht mehr ausreichend gegen Feuchtigkeit geschützt.
Bleibt sie unbehandelt, kann sich Rost bilden und mit der Zeit unter den angrenzenden Mofalack wandern. Aus einer kleinen Schadstelle kann so nach und nach eine deutlich grössere Reparatur werden. Einen solchen Schaden solltest du deshalb nicht nur optisch kaschieren, sondern so ausbessern, dass das Metall danach wieder geschützt ist.
Sitzt der Lack rund um den Lackschaden noch fest?
Hebt sich der Lack neben dem Kratzer bereits an, wirft er kleine Blasen oder kommt Rost unter den Lackrändern hervor, reicht eine punktuelle Reparatur oft nicht mehr. Dann betrifft der Lackschaden nicht nur die Stelle, die du auf den ersten Blick siehst.
Sind Tank, Rahmen oder ein anderes lackiertes Bauteil an mehreren Stellen tief verkratzt oder platzt der Mofalack grossflächig an mehreren Punkten ab, wird eine punktuelle Reparatur schnell zur Flickarbeit. Dann ist es meist sinnvoller, das betroffene Teil neu zu lackieren. Wie du bei der Neulackierung vorgehst, welche Vorarbeiten nötig sind und wann Spraydose, Lackierpistole oder Pulverbeschichtung infrage kommen, stellen wir dir in unserem Ratgeber: Mofa lackieren genauer vor.

Ist an deiner Perle noch Originallack erhalten, kommt ein weiterer Punkt dazu: Der passende Originallack für eine Neulackierung lässt sich nicht immer ohne Weiteres auftreiben oder exakt nachmischen. Bei einem Lackschaden stellt sich deshalb auch aus diesem Grund die Frage, ob du den Lackschaden optisch vollständig angleichen musst oder ob es reicht, die Schadstelle zu sichern und so zu erhalten. Kleine matte oder abgenutzte Stellen kannst du mit einem geeigneten Wachs schützen, solange der Töfflilack noch geschlossen ist. Erkennst du an einer kleinen beschädigten Stelle blankes oder leicht angerostetes Metall, kannst du es mit einer geeigneten Rostversiegelung oder einem Konservierungsöl vor Feuchtigkeit schützen. So bleibt möglichst viel vom vorhandenen Originallack erhalten. Hebt sich der Lack bereits an, bilden sich Blasen oder erkennst du Rost unter der angrenzenden Lackierung, reicht Konservieren mit Schutzmitteln dagegen nicht mehr aus. Dann musst du den Lackschaden gründlich reparieren.
Feine Kratzer am Mofa vorsichtig auspolieren
Ist der Lack deines Töfflis nur oberflächlich verkratzt, brauchst du weder Lackstift noch Schleifpapier. Eine geeignete Politur kann feine Kratzer und matte Spuren oft deutlich abschwächen. Sie füllt den Lackschaden allerdings nicht auf. Stattdessen glättet sie die Oberfläche, indem sie eine sehr geringe Menge Mofalack abträgt.
So gehst du beim Polieren vor
Wasche die Oberfläche rund um die Kratzerspur zuerst gründlich und entferne Staub, Sand sowie andere feste Partikel. Bleibt Schmutz auf dem Mofalack, ziehst du ihn beim Polieren über die Oberfläche und handelst dir im schlimmsten Fall zusätzliche Kratzer ein. Trockne den Bereich anschliessend mit einem sauberen, weichen Tuch. Gib eine kleine Menge feine Lackpolitur auf ein Polierpad oder ein weiches Tuch und arbeite zunächst nur rund um den Kratzer. Poliere mit wenig Druck und prüfe zwischendurch, wie sich die Spur verändert. Lieber gehst du zweimal vorsichtig über den Kratzer, als mit zu viel Druck zu arbeiten.
Wenn du die Kratzerspur nach dem ersten Durchgang nur noch schwach erkennst, kannst du vorsichtig weiterpolieren. Bleibt sie dagegen deutlich sichtbar und lässt sie sich mit dem Fingernagel klar ertasten, bringt stärkeres Polieren meist wenig. Dann reicht der Lackschaden an deinem Mofa tiefer und du solltest den Lackschaden punktuell ausbessern.
An Kanten, Zierlinien und Decals besonders vorsichtig polieren
Besonders vorsichtig solltest du an Kanten, Sicken und schmalen Rahmenrohren polieren. Dort arbeitest du schneller durch die vorhandene Lackierung als auf einer grossen ebenen Fläche. Auch Zierlinien und Decals solltest du aussparen oder nur sehr behutsam bearbeiten, damit du sie beim Polieren nicht beschädigst. Entferne danach die Politurrückstände mit einem sauberen Tuch und prüfe die Stelle bei gutem Licht. Ist die Kratzerspur nur noch schwach erkennbar und fühlt sich die Oberfläche gleichmässig an, kannst du es dabei belassen. Spürst du dagegen weiterhin eine deutliche Vertiefung oder fehlt an der Stelle bereits Lack, bringt weiteres Polieren nichts mehr. Dann gehst du zur punktuellen Ausbesserung über.
Wie lässt sich ein tiefer Lackschaden ausbessern?
Bei einem tiefen Kratzer oder einer kleinen Abplatzung arbeitest du möglichst kleinflächig. Entferne Schmutz und Fettrückstände zunächst gründlich. Bei einem schmalen Kratzer mit festen Lackrändern musst du die intakte Fläche daneben nicht anschleifen.
Haben sich an einer Abplatzung dagegen bereits einzelne Lackstücke gelöst, entfernst du nur diese losen Bereiche vorsichtig mit einer feinen Pinzette oder einem kleinen Holzstäbchen. Den fest haftenden Lack rundherum lässt du unangetastet. Erkennst du im Kratzer oder Abplatzer Rost, schleifst du ihn vorsichtig mit einem kleinen Stück feinen Schleifpapier ab. Falte das Papier so, dass du nur die betroffene Stelle erreichst und nicht unnötig über den angrenzenden Lack schleifst. Sobald kein Rost mehr sichtbar ist, entfernst du den Schleifstaub und entfettest die Stelle erneut.
Bleibt dabei blankes Metall zurück, schützt du es vor dem Farblack mit einer passenden Grundierung. Verwendest du einen Reparaturlack, der ausdrücklich direkt auf Metall aufgetragen werden darf, richtest du dich stattdessen nach dessen Vorgaben. Den Reparaturlack trägst du anschliessend nur auf die eigentliche Fehlstelle auf. Einen schmalen Kratzer kannst du mit einer feinen Spitze oder einem sehr kleinen Pinsel entlang der Vertiefung auffüllen. Bei einem Steinschlag oder einer kleinen Abplatzung setzt du wenig Lack in die offene Fläche und verteilst ihn bis an die vorhandenen Lackränder. Trage lieber mehrere dünne Schichten auf und prüfe nach jedem Auftrag, wie gut die beschädigte Stelle bereits gefüllt ist. Lass den Mofalack dazwischen jeweils ausreichend trocknen, bis du die Vertiefung gleichmässig aufgefüllt hast.

Wie besserst du tiefe Kratzer und kleine Lackabplatzer am Mofa aus?
Bearbeite bei einer kleinen Ausbesserung nur den Bereich, an dem tatsächlich Lack fehlt. Reinige und entfette die Stelle gründlich und lass sie trocknen. Bei einem schmalen Kratzer mit festen Rändern kannst du die Lackierung daneben unangetastet lassen.
Bei einem Lackabplatzer prüfst du dagegen zuerst, ob noch kleine Lackstücke lose am Rand hängen. Solche Reste kannst du vorsichtig mit einer feinen Pinzette oder einem Holzstäbchen lösen. Steht danach eine scharfe Lackkante hoch, glättest du sie mit einem kleinen, gefalteten Stück feinem Schleifpapier. Schleife dabei nur am Rand des Lackabplatzers und nicht unnötig in die intakte Lackfläche hinein.
Erkennst du in der Vertiefung Rost, schleifst du ihn ebenfalls vorsichtig ab, bis wieder sauberes Metall sichtbar ist. Entferne anschliessend den Schleifstaub und entfette die Stelle erneut. Auf freiliegendes Metall trägst du eine zum Reparaturlack passende Grundierung auf. Jetzt kannst du die Farbe einbringen. Bei einem schmalen Kratzer führst du eine feine Lackspitze oder einen sehr kleinen Pinsel entlang der Vertiefung. Einen Steinschlag oder kleinen Abplatzer füllst du von innen nach aussen bis an die vorhandenen Lackränder. Nimm dabei nur so viel Lack auf, dass er nicht vom Pinsel tropft, und versuche nicht, die Vertiefung mit einem einzigen Auftrag zu füllen. Trage mehrere dünne Schichten auf und lass sie jeweils nach den Angaben des verwendeten Produkts trocknen. Sieht dein Reparaturlack zusätzlich einen Klarlack vor, kommt dieser erst nach dem Farblack auf die Stelle.
Oft kannst du dir die Neulackierung sparen
Ein Kratzer am Tank oder ein kleiner Lackabplatzer am Rahmen sieht schnell nach mehr Arbeit aus, als tatsächlich nötig ist. In vielen Fällen kannst du den Lackschaden durch Polieren oder Ausbessern recht schnell und mit wenig Aufwand beheben. Erst wenn du feststellst, dass sich die Lackierung rund um den Lackschaden bereits löst oder Rost unter die angrenzende Fläche zieht, reicht eine kleine Ausbesserung nicht mehr. Dann kommst du leider in vielen Fällen nicht mehr um die Neulackierung herum.






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