Läuft! Die wichtigsten Sachs-Motoren im Überblick

12 Juli 2026

Sachs-Motoren gehören zu den grossen Namen der Mofa- und Töffli-Welt. Sie treiben ALPA, Hercules, Rixe, Kristall und viele weitere Töfflis an. Und obwohl sie heute schon einige Jahre auf dem Buckel haben und nicht mehr hergestellt werden, laufen sie immer noch. Wir stellen dir diese kleinen Meisterwerke etwas genauer vor. Lueg ine, denn weisch, warum so vieli Töfflimeitli und Töfflibuebe uf die alte Motörli schwöred.

Vom Velo-Lager zur Saxonette

Angefangen hat die Geschichte von Fichtel & Sachs in einer Zeit, in der Benzinmotoren noch neumodische Raketentechnik waren. Doch zunächst hatte der Hersteller aus dem fränkischen Schweinfurt noch nichts mit Motoren zu tun. Sein Geschäft waren Naben- und Lagertechnik für Velos. Das erste Mal von sich reden machte das Unternehmen, als der Firmenmitbegründer Ernst Sachs im Jahr 1903 das Patent auf die Torpedo-Freilaufnabe anmeldete. Sie verband Velo-Antrieb, Freilauf und Rücktrittbremse in einer kompakten Hinterradnabe und wurde weltweit zu einem gefragten Velo Teil. Auch als Folge der Weltwirtschaftskrise verkaufte Ernst Sachs im Jahr 1929 die Naben- und Wälzlager-Sparte an das heute noch bekannte Unternehmen Svenska Kullagerfabriken (SKF). Der Erlös floss in neue Geschäftsfelder: Kupplungen, Stossdämpfer und endlich auch Kleinmotoren kamen in das Portfolio der Schweinfurter. Und die Motorentechnik wurde rasch zu einem Zugpferd des Unternehmens. Nicht einmal 10 Jahre später, im Jahr 1937, stellte der Herstller einen 60-cm³-Zweitaktmotor fürs Velo vor, ab 1938 ging die Konstruktion in Serie. Der Motor, der als Saxonette bis heute bekannt ist, sass als Radnabenantrieb direkt im Hinterrad des Velos und leistete rund 1,2 PS bei etwa 3500 Umdrehungen, womit diese Mofa-Vorläufer ungefähr 30 km/h erreichten. An der Saxonette kann man nicht nur den Einstieg der Schweinfurter in den 2-Takt-Motorbau für Zweiräder festmachen, es zeigt sich auch schon ein Konzept, das den Schweinfurter Hersteller später in den goldenen Töffli-Jahrzehnten gross machen sollte: Der Motorbauer entwickelte kompakte Antriebe, die andere Hersteller in eigene Zweiräder einbauen konnten.

Die 2-Takter aus Schweinfurt im goldenen Mofa-Zeitalter

Als das goldene Zeitalter der Mofas anbrach, hatten sich die Zweitakter aus Schweinfurt längst einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Sie galten als nahezu unkaputtbar, günstig und im Alltag zuverlässig. Zahlreiche Mofabauer rüsteten deswegen ihre Töfflis mit den Aggregaten aus Schweinfurt aus. Ganz vorne mit dabei war Hercules. So lief unter anderem die Hercules Prima, eines der meistgebauten Mofas überhaupt, mit dem Sachs 505, und auch Hersteller wie Rixe oder KTM setzten auf die Schweinfurter Motoren. Und natürlich bestückten die Schweinfurter auch ihre eigenen Sachs-Mofas, etwa das Prima oder das Optima Töffli mit den hauseigenen 2-Taktern.

Rote Hercules Prima 5S in einer Werkstatt

Als im Jahr 1961 auch bei uns die Fahrzeugklasse Motorfahrrad eingeführt wurde, die Älteren werden sich erinnern, dauerte es nicht lange, bis die Aggregate des Schweinfurter Motorenbauers auch hierzulande zu hören waren. Speziell für die Anforderungen der neu geschaffenen Fahrzeugklasse hatte der Motorbauer den 503-2-Takter entwickelt. In der Folge rüsteten zahlreiche Schweizer Mofabauer ihre Hödis mit diesem Mofamotor aus. So zählten unter anderem Amsler, ALPA und Kristall zu den Abnehmern des Herstellers. Der 503 ist natürlich eine Legende geblieben. Dazu hat nicht nur seine weite Verbreitung beigetragen, sondern auch seine Robustheit und seine Technik. Die stellen wir dir im nächsten Abschnitt genauer vor.

Was waren die Vorteile der Aggregate?

Die Sachs-Mofamotoren brachten gleich einige Eigenschaften mit, die sie bei Töfflimeitli und Töfflibuebe besonders beliebt machten. Sie galten als robust, wartungsfreundlich und wiesen ein günstiges Verhältnis von Gewicht und Leistung auf. Wie für 2-Takter typisch kamen sie ohne Ventiltrieb, Nockenwelle und separate Ölwanne aus. Das reduzierte die Zahl der Bauteile, das Gewicht und den Wartungsaufwand.

Typisch für viele Mofamotoren des Herstellers war ausserdem der liegende Sachs-Zylinder. Er reduzierte die Einbauhöhe des Aggregats und erleichterte die Integration in Mofa- und Töffli-Rahmen. Zugleich waren wichtige Baugruppen gut erreichbar: Töffli-Vergaser, Luftfilter, Zündung, Kupplungsdeckel und Zylinder liessen sich unkompliziert prüfen, einstellen oder ausbauen.

Zylinder 38 mm «4.0 - 5.8 PS Variante» Sachs 50/4 EKF, 50S und 501

Bestückt waren viele der Aggregate des goldenen Töffli-Zeitalters mit Graugusszylindern. Diese hatten den Vorteil, dass sich die Laufbahn bei Bedarf honen oder auf Übermass schleifen liess. Mit passendem Kolben und neuen Kolbenringen konnte ein verschlissener Zylinder wieder sauber aufgebaut werden. Die Kombination aus kompakter 2-Takt-Bauweise, gut erreichbaren Wartungspunkten und bearbeitbarer Zylinderlaufbahn erklärt, warum viele dieser Aggregate nicht einfach ersetzt, sondern über Jahrzehnte gepflegt, revidiert und weitergefahren wurden.

Die verschiedenen Sachs-Typen im Überblick

Am bekanntesten sind zwei Mofamotoren des Herstellers: der 503, den es nur in der Schweiz gab, und der 505 aus der Hercules Prima. Daneben stehen die Typen 50, 501, 502, 504 und 535. Bei den Nummern steckt eine Tücke, denn 50er-Reihe und dreistellige Typen sind zweierlei: Beim 50/2, 50/3 oder 50/4 steht die Zahl nach dem Schrägstrich für die Gangzahl, bei 501 bis 535 bezeichnet die dreistellige Zahl den Motortyp. Was dann noch folgt – etwa /1 B –, beschreibt Getriebe und Ausführung, ein angehängtes CH die Schweizer Version. Wir hoffen, mit diesen Infos fällt es dir leichter, die Varianten, die wir dir nun vorstellen möchten, auseinanderzuhalten.

Sachs 50, 50/2, 50/3 und 50/4

Bei der 50er-Reihe nennt die Zahl nach dem Schrägstrich die Gangzahl, geschaltet von Hand oder mit dem Fuss über ein Ziehkeilgetriebe. Der 50/2, der 50/3 und der 50/4 haben 47 cm³, bei der Leistung reicht die Spanne vom 50/2 mit 1,25 PS über den 50/3 mit 2,6 PS bis zum 50/4 mit 4,3 PS bei 7250/min. Diese Ausführungen waren für Mopeds und Kleinkrafträder gebaut, die schneller fahren durften als die auf 30 km/h gedrosselte Mofa-Klasse.

Sachs 501

Mit dem 501 beginnt die Reihe der dreistelligen Typen, noch als Schaltmotor ausgeführt. Fahrtwindgekühlt, mit Kickstarter und Fussschaltung, gab es ihn als Drei- und Viergänger (501/3, 501/4). Aus Bohrung und Hub von 38 × 44 mm holt er knapp 50 cm³ und lieferte rund 2,9 PS. Verbaut wurde er unter anderem in den frühen Hercules-MK-Modellen.

Sachs 502

Als erster Automat dieser Reihe holt der 502/1 B 47 cm³ aus 38 × 42 mm, mit liegendem Graugusszylinder, Luftkühlung und Fliehkraftkupplung. Verbaut wurde er zum Beispiel in der Hercules MF 2 aus den frühen 1970er-Jahren.

Sachs 503

Der 503 wurde eigens für die Schweiz entwickelt und ist auch deshalb einer der bekanntesten Sachs-Motoren. Es gab ihn zuerst handgeschaltet (2AL, 2BL), später als 2-Gang-Automat mit Fliehkraftkupplung (AAL, ABL, AB, AC, ADV), jeweils gebläse- oder fahrtwindgekühlt. Welche Version vorliegt, sieht man an der Kennung, und sie unterscheiden sich mehr, als die gemeinsame Nummer vermuten lässt: Die Bohrung bleibt bei 38 mm, der Hub aber wechselt zwischen 42 mm (rund 47,6 cm³) und 44 mm (knapp 49,9 cm³).

Sachs 504

Der 504 ist ein kompakter Mofamotor um 47 cm³, dem seine geringe Grösse den Spottnamen Zuckermotörchen einbrachte. Es gab ihn als Handschalter und als 1-Gang-Automat. Mit dem 505 wird er oft in einen Topf geworfen, ist aber ein eigener Typ.

Motor-Sachs-504-2-A-CH

Sachs 505

Zur grössten Bekanntheit brachte es der 505, der die Hercules Prima antrieb. Luftgekühlt, mit 47 oder 49 cm³, leistet er rund 1,1 kW oder 1,5 PS bei 3,2 Nm. In der Prima kam er mit verschiedenen Getrieben zum Einsatz: 2-Gang-Handschaltung in der Prima 3 und 5, Automatik mit Fliehkraftkupplung in der Prima 2 und 4. Für die Moped-Ableger der Optima-Reihe wurde derselbe Grundmotor auf rund 2 kW und 40 km/h ausgelegt.

Sachs 535

Der 535 gehört in die Zeit, als für Töfflis die strengeren Abgasvorschriften kamen. Aus 38 × 44 mm holt er knapp 50 cm³ und lief in CH-Ausführungen wie 535/1 AV CH oder 535/1 BYV CH.

Warum der Sachs-Motor bis heute läuft

So bleibt am Ende ein Motor, der seinen Ruf weniger der Leistung verdankt als der Tatsache, dass man ihn immer wieder instand setzen kann. Dass das so bleibt, liegt zum Glück auch an der Versorgung mit Sachs-Motor- und Getriebeteilen. Zwar hat der Hersteller die Motorenfertigung längst eingestellt, doch Ersatzteile bekommst du bis heute, teils als originale Restbestände, teils als Nachbau. Genau deshalb tuckern die alten Sachser noch über unsere Strassen, der 503 vorneweg. Steht einer in deiner Garage, hast du kein hoffnungsloses Wrack vor dir, sondern ein Töffli, das sich mit überschaubarem Aufwand wieder flottmachen lässt.

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