Charmante Formen und Extra-Luxus für Vespisti
Gran Lusso – grosser Luxus. Mit diesem Namen schickte Piaggio 1963 eine 150er auf die Strasse, die schon auf den ersten Blick aus der damaligen Modellpalette herausstach. Trapezlicht, feine Aluminiumleisten und die weich modellierte Karosserie verliehen der GL eine ausgesprochen charmante Erscheinung. Dazu kam ein Zweitakter, der die Wäschpi auf knapp 90 km/h brachte. Wir zeigen dir, was hinter dem Gran-Lusso-Namen steckte und warum dieses Modell noch über die relativ kurze Bauzeit hinaus Bedeutung hatte. Also, Helm parat – mir gönd de Gran Lusso uf d’Spur.
Gran Lusso: Piaggios elegante 150er der frühen Sechziger
Als Piaggio 1963 die Vespa 150 GL lancierte, hatte der Hersteller aus Pontedera in der 150er-Klasse parallel andere aktuelle Modelle im Rennen. Seit 1960 rollte die Vespa 150 VBB aus den Werkshallen, 1962 kam mit der 160 GS eine stärkere und sportlicher ausgerichtete Schwester hinzu. Die neue GL setzte den Schwerpunkt aber nicht auf Sportlichkeit, sie sollte für Komfort und Luxus stehen. GL stand für Gran Lusso (grosser Luxus) – und die neue Wäschpi löste das Versprechen, das sie im Namen trug, auch ein.
Die Fertigung der ersten GL-Vespas lief bereits Ende 1962 an. Die Blechroller trugen am Rahmen das Präfix VLA1T. 1963 entstanden mehr als 51’000 Exemplare, so viele wie in keinem anderen Produktionsjahr. Bis Piaggio die Fertigung 1965 einstellte, verliessen insgesamt rund 79’900 150 GL Roller die Werkshallen in Pontedera. Für eine Wäschpi, die nur wenige Jahre im Programm blieb, war das eine stattliche Zahl.

Trapezlicht, schlanke Backen und lange Zierlinien
Breiter Trapezscheinwerfer oben, weich geschwungenes Beinschild darunter, eine schlanke Mitte und rundlich gewölbte Backen am Heck: Piaggio verband bei der 150 GL markante horizontale Akzente mit grosszügigen Rundungen. Schmale Aluminium-Zierleisten liefen über Kotflügel und Seitenhauben und betonten deren Länge. Der breite Lenkkopf setzte sich markant von den weichen Wölbungen an Beinschild, Kotflügel und Backen ab – ein markantes Design, das der Gran-Lusso-Vespa viel von ihrem Charme gab.
Breit gebaut, weich gerundet
Den stärksten Akzent setzte der neu gestaltete Lenker. Breit und vergleichsweise flach fasste er den trapezförmigen Scheinwerfer ein. Zusammen zogen Lenker und Scheinwerfer die Front optisch in die Breite. Die ungewöhnliche Form machte die GL schon von vorn leicht erkennbar und verlieh ihr ein markantes Gesicht. Unter dem Lenkkopf wurde die Front zunächst schmaler, bevor sich das Beinschild in grosszügigen Bögen nach aussen spannte. Seine weich gewölbte Fläche bildete einen reizvollen Gegenpol zum breiten Trapezlicht.
Eleganter Schwung über dem Vorderrad
Über dem Vorderrad wölbte sich der neu geformte Kotflügel in einem eleganten Bogen nach hinten. Eine schmale Aluminium-Zierleiste verlief mittig über das Blech und zeichnete diese Rundung nach. So bekam die geschwungene Form eine zusätzliche, klar geführte Linie. Zwischen der Unterkante des Beinschilds und dem Kotflügel blieb deutlich Freiraum, sodass beide Bauteile ihre eigene Kontur behielten. Das breite Beinschild spannte sich in grosszügigen Bögen zu den Seiten, während der schmalere Kotflügel dicht über dem Vorderrad lag. Gerade dieser Wechsel zwischen der weiten Wölbung des Beinschilds und dem engeren Bogen über dem Rad gab der Front ihre anmutigen Proportionen.

Von der schlanken Mitte zu den bauchigen Backen
Hinter dem grossen Beinschild verengte sich die Karosserie zum tiefen Durchstieg deutlich. Anschliessend stieg sie zum Heck wieder an, wo sich die Seitenhauben beidseits des Hinterrads rund nach aussen wölbten. So wechselte die Silhouette von einer schlanken Mitte zu einem kräftiger geformten, bauchigen Heck. Zum Rücklicht hin verjüngten sich die Backen wieder. Auch an den Seitenhauben setzte Piaggio auf lange Aluminium-Zierleisten, die deren Verlauf nach hinten begleiteten und die Länge der Flanken betonten. Die schmalen Leisten setzten sich klar von den grossen, weich gewölbten Blechflächen ab.
Gran Lusso, ein Blechroller mit Temperament
Unter der rechten Seitenhaube arbeitete ein gebläsegekühlter Einzylinder-Zweitakter mit der Kennung VLA1M und 145,45 cm³ Hubraum. Bohrung und Hub massen jeweils 57 Millimeter, das Gemisch gelangte über einen Drehschiebereinlass ins Kurbelgehäuse. Geschaltet wurde über vier Gänge am linken Lenkergriff. Das Verdichtungsverhältnis lag bei 7,2 : 1. Mit rund 6,25 PS bei 5’000 Umdrehungen erreichte die Vespa 150 GL knapp 90 km/h und war damit für eine 150er der frühen 1960er-Jahre durchaus temperamentvoll unterwegs. Anders als die Vespa 150 VBB, die noch auf 8-Zoll-Rädern unterwegs war, rollte die GL auf Reifen im Format 3.50-10. Vorn wie hinten verzögerten 150-Millimeter-Trommelbremsen.
Die GL als Vorbild für die nächsten Grossen
Noch während die Vespa 150 GL in Pontedera vom Band lief, übernahm Piaggio 1964 eines ihrer markantesten Gestaltungselemente für die neue Vespa 180 Super Sport: den charakteristischen Trapezscheinwerfer. Damit fand die auffällige Frontgestaltung der GL bereits ein Jahr nach ihrer Lancierung ihren Weg an Piaggios sportliches Spitzenmodell. 1965 endete die Produktion der 150 GL. Im selben Jahr kam mit der Vespa 150 Sprint eine neue grosse 150er auf den Markt, deren Karosserie eng mit der Gran Lusso verwandt war. Neben dem trapezförmigen Scheinwerfer blieb diese Nähe vor allem an den weich gewölbten Seitenhauben sichtbar. So setzte Piaggio wesentliche Karosserieformen der GL unmittelbar bei den Nachfolgermodellen fort.
Technische Daten der Vespa 150 GL
| Merkmal | Vespa 150 GL |
|---|---|
| Produktion | 1962–1965 |
| Rahmenpräfix | VLA1T |
| Stückzahl | rund 79’850 Exemplare |
| Motor | gebläsegekühlter Einzylinder-Zweitakter, Kennung VLA1M |
| Hubraum | 145,45 cm³ |
| Bohrung × Hub | 57 × 57 mm |
| Verdichtung | 7,2 : 1 |
| Leistung | 6,25 PS bei 5’000 U/min |
| Getriebe | 4-Gang-Handschaltung |
| Höchstgeschwindigkeit | knapp 90 km/h |
| Reifen | 3.50 × 10 Zoll |
| Bremsen | Trommelbremsen vorn und hinten |
| Tankinhalt | 7,7 l |
| Elektrik | 6 V / 35 W |
| Länge × Breite × Höhe | 1’770 × 675 × 1’045 mm |
| Radstand | 1’200 mm |





0 Kommentare