Mehr Zug aus tiefen Drehzahlen, ein breiteres nutzbares Drehzahlband oder mehr Leistung im oberen Bereich, klingt gut? Kannst du haben! Durch die Anpassung der Steuerzeiten an deiner Perle kannst du einiges rausholen. Aber was genau sind Steuerzeiten? Wie passt man sie an? Wie misst man die Zeiten? Und welche Unterschiede gibt es dabei zwischen einem Piaggio- und einem Peugeot-Töffli? Wir haben die wichtigste Info dazu zusammengestellt. Also: Gradschiibe montiere, Werte prüefe und dini Perle passend zu dim Ziel abstimme.
Was geben Steuerzeiten beim schlitzgesteuerten Mofa-Motor an?
Bei einem typischen 2-Takt-Töffli übernimmt der Kolben den Gaswechsel, und zwar über die Öffnungen in der Zylinderlaufbahn. Auf dem Weg nach unten gibt seine Oberkante zuerst den Auslass frei, danach die Überströmer. Geht er wieder nach oben, schliesst er die Öffnungen in umgekehrter Reihenfolge. Die Steuerzeit sagt dir, über wie viele Grad Kurbelwellendrehung eine Öffnung freigegeben ist.
Warum in Grad und nicht in Sekundenbruchteilen? Weil sich die tatsächliche Öffnungsdauer mit der Drehzahl ändert. Dreht der Motor schneller, durchläuft die Kurbelwelle denselben Winkel in kürzerer Zeit. Der Öffnungswinkel des Auslasses bleibt zum Beispiel bei 160°, egal ob dein Motor mit 3’000 oder mit 8’000 U/min dreht. Für den Gaswechsel bleibt bei 8’000 U/min aber deutlich weniger Zeit. Über die Gradwerte kannst du zwei Zylinder deshalb direkt vergleichen, ohne dich vorher auf eine bestimmte Drehzahl festzulegen. Nimm eine Auslasssteuerzeit von 160°. Wird der Auslass allein von der Kolbenoberkante gesteuert, öffnet er 80° vor dem unteren Totpunkt und schliesst 80° danach wieder. Der Wert nennt dir also nicht bloss eine Dauer. Er legt auch fest, ab welcher Kolbenstellung das unter Druck stehende Abgas in den Auslass strömt und wie lange der Auslass auf dem weiteren Weg nach unten und wieder nach oben offen bleibt.
Die Steuerzeit hängt von mehreren Grössen ab. Dazu zählen die Lage der Steuerkanten im Zylinder, der Hub, die Pleuellänge und die Einbauhöhe des Zylinders. Setzt du beispielsweise den Zylinder deines Puch-Mofas höher, verändert sich die Lage der Steuerkanten im Verhältnis zum Kolben. Ähnlich wirkt es sich aus, wenn du den Auslass oder die Überströmer an der Oberkante nach oben erweiterst. In beiden Fällen erreicht die Oberkante des Kolbens deines Puch Töfflis die jeweilige Steuerkante bei einem anderen Kurbelwinkel. Dadurch verändern sich die Öffnungs- und Schliesszeitpunkte und damit die jeweilige Steuerzeit. Wie du diese Werte anpassen kannst, schauen wir uns später noch genauer an.
Wie hängen Auslass, Überströmer und Vorauslass zusammen?
Auf dem Abwärtshub öffnet zuerst der Auslass. Das Abgas steht in diesem Moment noch unter hohem Druck. Sobald die Kolbenoberkante den Auslass freigibt, strömt es Richtung Auspuff deines Sachs-Töfflis, und der Druck im Zylinder fällt. Erst danach macht der Kolben die Überströmer frei. Durch sie strömt das im Kurbelgehäuse vorverdichtete Frischgas in den Zylinder. Den Winkel zwischen dem Öffnen des Auslasses und dem Öffnen der Überströmer nennt man Vorauslass. In diesem Bereich ist nur der Auslass offen. Der Vorauslass schafft also den Abstand zwischen dem Beginn des Abgasstroms und dem Beginn der Spülung. Öffnen die Überströmer früh, kann der Restdruck im Zylinder dem einströmenden Frischgas in die Quere kommen. Öffnen sie später, hast du mehr Kurbelwinkel für den Druckabbau, dafür beginnt die Spülung entsprechend später.
Den Vorauslass rechnest du aus Auslass- und Überströmersteuerzeit aus:
Vorauslass = (Auslasssteuerzeit − Überströmersteuerzeit) ÷ 2
Bei 160° Auslass und 120° Überströmer kommst du auf 20° Vorauslass. Die Differenz von 40° halbierst du, weil Auslass und Überströmer jeweils vor und nach dem unteren Totpunkt offen sind. Der Vorauslass erfasst dagegen nur den Winkel zwischen den beiden Öffnungen auf dem Abwärtshub. Für die spätere Anpassung der Steuerzeiten ist dieser Zusammenhang entscheidend. Hebst du nur die Auslassoberkante an, öffnet der Auslass früher und schliesst später. Die Auslasssteuerzeit steigt, der Vorauslass wird grösser. Gehst du stattdessen nur an die oberen Steuerkanten der Überströmkanäle, öffnen die betreffenden Überströmer früher. Ihre Steuerzeit steigt, der Vorauslass wird kleiner.
Setzt du den ganzen Zylinder höher, ändern sich beide Steuerzeiten auf einmal. Auslass und Überströmer liegen aber auf unterschiedlicher Höhe, und darum steigen ihre Gradwerte nicht zwingend um den gleichen Betrag. Den Vorauslass bestimmst du nach so einer Änderung deshalb neu.
Wie wird der Einlass bei deinem Mofa gesteuert?
Beim Einlass kommt es auf die Bauart deines Motors an. Sie entscheidet, welches Bauteil die Verbindung zwischen Vergaser und Kurbelgehäuse öffnet und schliesst. Ein einziges Schema fürs Messen oder Verändern gibt es deshalb nicht.
Kolbengesteuerter Einlass
Bei vielen Puch- und Sachs-Motoren steuert die Unterkante des Kolbenhemds den Einlass. Bewegt sich der Kolben nach oben, gibt das Kolbenhemd das Einlassfenster frei. Auf dem Weg nach unten deckt es die Öffnung wieder ab. Dieselbe Kante am Kolben bestimmt damit sowohl den Öffnungs- als auch den Schliesszeitpunkt.
Die Einlassdauer lässt sich bei dieser Bauart unter anderem über das Kolbenhemd oder die untere Steuerkante des Einlassfensters verändern. Kürzt du das Kolbenhemd an der Kante, die das Einlassfenster freigibt, öffnet der Einlass früher vor dem oberen Totpunkt und schliesst später nach dem oberen Totpunkt. Dadurch verlängert sich die Einlasssteuerzeit. Öffnungs- und Schliesszeitpunkt verändern sich dabei gemeinsam und lassen sich über das Kolbenhemd nicht unabhängig voneinander verschieben. Verbreiterst du das Einlassfenster dagegen nur seitlich, vergrössert sich der freie Querschnitt. Die Einlasssteuerzeit bleibt dabei unverändert, solange du die für das Öffnen und Schliessen entscheidende untere Steuerkante des Fensters nicht veränderst.

Drehschiebereinlass
Bei vielen Piaggio-Mofas wie dem Ciao-, Si-, Bravo- oder Boxer-Töffli läuft das anders. Hier steuern das Gehäusefenster und eine passend geformte Kurbelwange den Weg ins Kurbelgehäuse. Der Einlass öffnet und schliesst deshalb nicht symmetrisch zum oberen Totpunkt. Darum musst du beide Ereignisse getrennt betrachten, also wann der Drehschieber vor OT öffnet und wann er nach OT schliesst. Am Kolbenhemd zu feilen bringt hier nichts, weil der Kolben den Einlass gar nicht freigibt.
Membraneinlass
Beim Membraneinlass öffnen die Plättchen durch den Druckunterschied zwischen Ansaugtrakt und Kurbelgehäuse. Ihr Öffnen und Schliessen hängt darum nicht an einer festen Steuerkante und damit nicht an einem bestimmten Kurbelwinkel. Statt einer starren Einlasssteuerzeit zählen hier Membranfläche, Plättchensteifigkeit, Ansaugweg und Druckverlauf.
Für die spätere Anpassung ist diese Unterscheidung wichtig. Was bei einem kolbengesteuerten Puch-Motor die Einlassdauer verändert, kann bei einem Piaggio-Drehschieber wirkungslos verpuffen und bei einem Membranmotor komplett am Steuerprinzip vorbeigehen.
Wie werden Steuerzeiten mit der Gradscheibe bestimmt?
Bevor du Steuerzeiten vergleichen oder verändern kannst, musst du die Öffnungs- und Schliesszeitpunkte an deinem Motor messen. Dafür befestigst du eine Gradscheibe am Kurbelwellenstumpf, meist mit einem passenden Adapter oder Distanzstück. Entscheidend ist, dass sie fest mit der Kurbelwelle verbunden ist und sich bei jeder Drehung exakt mit ihr bewegt. Ein feststehender Zeiger, den du beispielsweise an einem Zylinderstehbolzen befestigst, zeigt dir den jeweiligen Kurbelwinkel auf der Skala an.
Den oberen Totpunkt exakt bestimmen
Der obere Totpunkt, kurz OT, ist der Bezugspunkt für deine gesamte Messung. Schon eine kleine Abweichung am Nullpunkt verschiebt später alle abgelesenen Öffnungs- und Schliesswinkel. Den Kolben einfach auf seine höchste sichtbare Position zu stellen, reicht deshalb nicht aus. Rund um den oberen Totpunkt bewegt er sich über mehrere Grad Kurbelwellendrehung nur sehr wenig. Richte die Gradscheibe zunächst ungefähr so aus, dass der Zeiger beim vermuteten oberen Totpunkt auf 0° steht. Den exakten OT bestimmst du anschliessend über zwei Kurbelwellenstellungen, bei denen sich der Kolben auf beiden Seiten des Totpunkts auf genau derselben Höhe befindet. Der tatsächliche obere Totpunkt liegt genau in der Winkelmitte zwischen diesen beiden Positionen.
Mit einer Messuhr suchst du zuerst ungefähr die höchste Kolbenposition. Danach drehst du die Kurbelwelle ein Stück zurück, bis der Kolben beispielsweise 1 mm unter diesem höchsten Punkt steht, und notierst den Winkel auf der Gradscheibe. Anschliessend drehst du die Kurbelwelle über den oberen Totpunkt hinweg weiter, bis die Messuhr auf der anderen Seite wieder exakt denselben Wert anzeigt. Auch diesen Winkel notierst du. Die Winkelmitte zwischen beiden Messpunkten entspricht dem tatsächlichen oberen Totpunkt.
Alternativ kannst du einen geeigneten Kolbenstopper verwenden. Dreh den Kolben zunächst vom oberen Totpunkt weg und setze den Stopper ein. Anschliessend drehst du die Kurbelwelle vorsichtig von Hand in eine Richtung, bis der Kolben am Stopper anliegt, und notierst den Winkel. Danach drehst du die Kurbelwelle in die entgegengesetzte Richtung, bis der Kolben von der anderen Seite wieder am Stopper anliegt. Auch hier liegt der tatsächliche obere Totpunkt genau in der Winkelmitte zwischen den beiden abgelesenen Positionen. Die Kurbelwelle wird dabei immer nur von Hand gedreht und der Kolben nicht mit Kraft gegen den Stopper gedrückt.
Hast du die Winkelmitte bestimmt, bringst du die Kurbelwelle in diese Position. Erst jetzt korrigierst du die Gradscheibe oder den Zeiger so, dass bei dieser Stellung exakt 0° angezeigt werden. Damit steht der Bezugspunkt für die anschliessende Messung der Steuerzeiten.
Öffnungs- und Schliesswinkel ablesen
Für die Auslasssteuerzeit drehst du die Kurbelwelle jetzt in Laufrichtung, bis die Kolbenoberkante den Auslass gerade freigibt. Diesen Öffnungswinkel notierst du. Dann drehst du weiter, bis der Kolben den Auslass auf dem Aufwärtshub wieder vollständig abdeckt. Aus den beiden abgelesenen Stellungen berechnest du die Öffnungsdauer.
Steuerzeit aus den Messwerten berechnen
Notierst du Öffnungs- und Schliesswinkel fortlaufend ab OT auf einer Skala von 0° bis 360°, ziehst du den Öffnungswert vom Schliesswert ab. Öffnet der Auslass zum Beispiel bei 100° nach OT und schliesst bei 260° nach OT, beträgt die Auslasssteuerzeit:
260° − 100° = 160°
Läuft das offene Zeitfenster über den Nullpunkt der Gradscheibe, funktioniert diese einfache Subtraktion nicht. Öffnet ein kolbengesteuerter Einlass zum Beispiel 70° bevor der Kolben den oberen Totpunkt erreicht und schliesst 60° nachdem er ihn passiert hat, kannst du die beiden Teilwinkel direkt addieren:
70° + 60° = 130°
Auf einer durchgehenden 360°-Skala entspricht ein Öffnen 70° vor OT einem Skalenwert von 290°. Die gleiche Einlassdauer berechnest du deshalb auch so:
(360° − 290°) + 60° = 130°
Wichtig ist, dass du bei dieser Rechnung tatsächlich die Werte der fortlaufenden 360°-Skala verwendest. So vermeidest du, Öffnungs- und Schliesswinkel aus unterschiedlichen Bezugssystemen miteinander zu verrechnen.
Ist der Auslass über eine feste Steuerkante im Zylinder und die Kolbenoberkante gesteuert, kannst du die Steuerzeit auch direkt aus dem Winkel bis zum unteren Totpunkt bestimmen. Öffnet der Auslass beispielsweise 80° bevor der Kolben den unteren Totpunkt erreicht und schliesst er 80° nach dem Durchlaufen des unteren Totpunkts wieder, beträgt die Auslasssteuerzeit:
80° + 80° = 160°
Überströmer und Vorauslass messen
Die Überströmersteuerzeit misst du nach dem gleichen Prinzip wie die Auslasssteuerzeit. Entscheidend ist, dass du bei allen Überströmöffnungen immer nach derselben Methode bestimmst, wann der Kolben die jeweilige Oberkante freigibt und wieder schliesst. Verrundete oder angefaste Schlitzkanten machen diesen Zeitpunkt weniger eindeutig. Lege deshalb einen festen Messpunkt fest und behalte ihn bei allen Messungen bei. Nur so kannst du die Werte vor und nach einer Änderung sinnvoll miteinander vergleichen.
Aus Auslass- und Überströmersteuerzeit berechnest du anschliessend den Vorauslass. Notiere dir zusätzlich, welche Fussdichtung oder welche Spacer verbaut sind und wie hoch der Zylinder sitzt. Schon eine andere Dichtungsstärke verändert die Lage des Zylinders im Verhältnis zum Kolben und damit auch die gemessenen Steuerzeiten.

Einlasssteuerzeit je nach Bauart erfassen
Beim Einlass hängt die Messung davon ab, wie dein Töffli den Weg vom Vergaser ins Kurbelgehäuse steuert. Bei einem kolbengesteuerten Einlass drehst du die Kurbelwelle und beobachtest, wann die Unterkante des Kolbenhemds das Einlassfenster freigibt und wann sie es wieder schliesst. Da dieselbe Kolbenkante beide Vorgänge steuert, liegt das Öffnen genauso viele Grad vor dem oberen Totpunkt wie das Schliessen danach. Kürzt du das Kolbenhemd an dieser wirksamen Kante, öffnet der Einlass entsprechend früher und schliesst später wieder.
Beim Piaggio-Drehschieber sieht das anders aus. Hier bestimmen das Einlassfenster im Motorgehäuse und die Kurbelwange, wann der Weg ins Kurbelgehäuse frei ist. Deshalb misst und notierst du getrennt, wie viele Grad vor OT der Einlass öffnet und wie viele Grad nach OT er wieder schliesst. Aus beiden Werten kannst du die gesamte Einlassdauer berechnen. Für die Beurteilung sind aber auch die einzelnen Öffnungs- und Schliesszeitpunkte wichtig: Zwei Drehschieber können beispielsweise gleich lange geöffnet sein, obwohl einer früher öffnet und früher schliesst als der andere.
Bei einem Membraneinlass gibt es dagegen keinen festen Öffnungs- und Schliesswinkel, den du mit der Gradscheibe bestimmen könntest. Die Membranplättchen reagieren auf die Druckunterschiede zwischen Ansaugtrakt und Kurbelgehäuse und bewegen sich während des laufenden Motors entsprechend. Ihre tatsächlichen Öffnungs- und Schliesszeitpunkte lassen sich mit einer statischen Gradscheibenmessung deshalb nicht erfassen.
Wie lassen sich Steuerzeiten anpassen und optimieren?
Am Anfang steht die Frage, welchen Bereich des Gaswechsels du verändern willst. Soll der Auslass früher öffnen, die Spülung früher beginnen oder die Einlassdauer anders ausfallen? Erst mit einem klaren Ziel weisst du, wo du ansetzen musst.
Deine Basis sind die vorher gemessenen Werte für Auslass, Überströmer und Vorauslass, je nach Motorbauart dazu Einlassöffnung und Einlassschluss. Diese Werte schaust du dir immer zusammen an. Änderst du die Auslasssteuerzeit, wandert der Vorauslass mit. Eine andere Montagehöhe des Zylinders wirkt zusätzlich auf Quetschkante, Brennraumvolumen sowie auf das geometrische und das eingeschlossene Verdichtungsverhältnis. Und beim Einlass hängt der mögliche Eingriff davon ab, ob Kolbenhemd, Drehschieber oder Membran die Strömung steuern.
Zylinder höher setzen
Mit einer dickeren Fussdichtung oder einem Spacer setzt du den Zylinder höher. Dadurch liegen die Oberkanten von Auslass und Überströmern im Verhältnis zum Kolben weiter oben. Fährt der Kolben nach unten, gibt er die Öffnungen früher frei. Auf dem Weg nach oben schliesst er sie entsprechend später wieder. Damit nehmen sowohl die Auslass- als auch die Überströmersteuerzeit zu.
Der Vorauslass bleibt dabei nicht automatisch gleich. Da Auslass und Überströmer auf unterschiedlichen Höhen liegen, verändern sich ihre Steuerzeiten durch das Höhersetzen nicht zwingend um den gleichen Winkel. Nach dem Umbau misst du deshalb beide Steuerzeiten erneut und berechnest daraus auch den Vorauslass neu.
Bleibt der Zylinderkopf unverändert, vergrössert sich durch den höher gesetzten Zylinder gleichzeitig der Abstand zwischen Kolben und Zylinderkopf am oberen Totpunkt. Der Quetschspalt wird grösser und das Restvolumen über dem Kolben nimmt zu. Dadurch sinkt in der Regel das geometrische Verdichtungsverhältnis. Gleichzeitig schliesst der Auslass auf dem Aufwärtshub später. Erst wenn der Kolben den Auslass vollständig geschlossen hat, bleibt die Ladung im Zylinder eingeschlossen und wird auf dem weiteren Weg nach oben verdichtet. Durch den späteren Auslassschluss kann deshalb auch das eingeschlossene beziehungsweise effektive Verdichtungsverhältnis sinken.
Geometrisches und eingeschlossenes Verdichtungsverhältnis beschreiben zwei unterschiedliche Auswirkungen der Änderung. Selbst wenn du den grösser gewordenen Quetschspalt später durch eine Bearbeitung des Zylinderkopfs wieder auf das gewünschte Mass bringst, ändert das nichts am späteren Auslassschluss. Deshalb solltest du Quetschspalt, Restvolumen und Auslasssteuerzeit zusammen prüfen. Wenn der Kolben den unteren Totpunkt erreicht, kontrollierst du ausserdem, ob er Auslass und Überströmer vollständig freigibt.

Auslasssteuerzeit anpassen
Hebst du die Auslassoberkante an, öffnet der Auslass früher und schliesst später. Die Auslasssteuerzeit steigt. Lässt du die Überströmersteuerzeit dabei unangetastet, wird gleichzeitig der Vorauslass grösser. Damit hast du mehr Kurbelwinkel zwischen Auslass und Überströmern. Das unter Druck stehende Abgas beginnt zudem bei einer früheren Kolbenstellung auszuströmen. Ob dir das bringt, was du willst, hängt davon ab, ob Auspuff und vorgesehener Drehzahlbereich zu diesem früheren Öffnungszeitpunkt passen. Eine höhere Auslasssteuerzeit ist also für sich allein kein Leistungsgewinn. Auslasshöhe und Auslassbreite sind ausserdem zwei Paar Schuhe. Bearbeitest du nur die Breite, bleibt der Öffnungswinkel der Oberkante gleich. Du veränderst vor allem die freigegebene Fläche. Steuerzeit und wirksamen Querschnitt beurteilst du deshalb getrennt.
Überströmersteuerzeit anpassen
Hebst du die Dächer der Überströmkanäle an, also ihre oberen Steuerkanten, öffnen die betreffenden Kanäle früher und schliessen später. Die Überströmersteuerzeit steigt. Bleibt die Auslasssteuerzeit gleich, wird der Vorauslass kleiner. Die Verbindung zwischen Kurbelgehäuse und Zylinder öffnet damit früher. Ob zu diesem Zeitpunkt schon genug Druckgefälle für den Frischgasstrom da ist, hängt davon ab, wie viel Druck vorher über den Auslass abgebaut wurde. Eine längere Überströmersteuerzeit spült deshalb nicht automatisch besser.
Dazu kommt die Form der Überströmerdächer. Sie gibt mit vor, in welche Richtung das Frischgas in den Zylinder strömt. Bearbeitest du die oberen Steuerkanten, veränderst du deshalb nicht nur den Öffnungswinkel, sondern womöglich auch die Strömungsführung. Nach der Gradzahl allein lässt sich dieser Eingriff darum nicht beurteilen.
Einlasssteuerung anpassen
Beim einfachen kolbengesteuerten Einlass bestimmt die Unterkante des Kolbenhemds den Öffnungsbeginn und den Schliesszeitpunkt zugleich. Kürzt du das Kolbenhemd oder veränderst du die wirksame Einlasskante, öffnet der Einlass früher vor OT und schliesst später nach OT. Die Einlassdauer verlängert sich damit grundsätzlich auf beiden Seiten des oberen Totpunkts. Öffnungsbeginn und Einlassschluss kannst du bei dieser Steuerung nicht unabhängig voneinander wählen. Eine Änderung, die den Einlass früher öffnen lässt, verschiebt zugleich den Schliesszeitpunkt. Du beurteilst die Auswirkung deshalb immer als gemeinsame Verlängerung der Einlassdauer. Beim Drehschiebereinlass geben Gehäusefenster und Kurbelwange die Öffnungs- und Schliesskante vor. Hier kannst du Öffnungsbeginn und Einlassschluss innerhalb der geometrischen Grenzen getrennt verändern.
Dieselbe Gesamtdauer kann dadurch aus unterschiedlichen Öffnungs- und Schliesswinkeln entstehen. Als alleinige Zielgrösse taugt sie deshalb nicht. Der Membraneinlass kennt keine feste Einlasssteuerzeit über eine Steuerkante. Membranfläche, Plättchensteifigkeit und Ansaugweg beeinflussen das druckabhängige Öffnen und Schliessen. Diese Eingriffe folgen einer anderen Abstimmungslogik als bei Kolben- oder Drehschiebersteuerung.
Änderungen kontrollieren und auf das Setup abstimmen
Nach jedem Eingriff misst du die betroffenen Werte neu. Am Zylinder sind das mindestens Auslasssteuerzeit, Überströmersteuerzeit und Vorauslass.
Hast du die Zylinderhöhe verändert, kontrollierst du zusätzlich diese Punkte:
- Quetschkante
- Brennraumvolumen
- geometrisches Verdichtungsverhältnis
- Auslassschluss und eingeschlossenes Verdichtungsverhältnis
- vollständige Schlitzfreigabe bei UT
Beim Einlass dokumentierst du Öffnungs- und Schliesswinkel getrennt, sofern eine feste Steuerung vorliegt. Beim kolbengesteuerten Einlass zeigt das die symmetrische Veränderung um OT. Beim Drehschieber hältst du damit die asymmetrische Lage beider Ereignisse fest. Danach gleichst du die gemessenen Werte mit deinem Auspuff, deinem Einlasssystem und dem vorgesehenen Drehzahlbereich ab. Die Auslasssteuerzeit bestimmt, bei welcher Kolbenstellung das Abgas in den Auspuff eintritt. Der Vorauslass sagt dir, wie viel Kurbelwinkel für den Druckabbau bleibt, bevor die Spülung startet. Einlassöffnung und Einlassschluss legen bei starr gesteuerten Systemen fest, wann der Ansaugweg zum Kurbelgehäuse offen ist. Auch die freigegebene Fläche gehört dazu. Zwei Zylinder mit der gleichen Steuerzeit können sich unterschiedlich verhalten, wenn Breite, Form oder Kanalquerschnitt voneinander abweichen. Die Gradzahl nennt dir die Öffnungsdauer, nicht die Gasmenge, die in dieser Zeit durchpasst.
Die Übersetzung verändert die Steuerzeiten nicht, entscheidet aber mit, ob der Motor den vorgesehenen Drehzahlbereich erreicht und unter Last hält. Der Vergaser verändert die Steuerzeiten ebenfalls nicht, muss aber die Gemischmenge liefern, die der veränderte Gasdurchsatz braucht. Und der Auspuff muss zum Öffnungszeitpunkt des Auslasses und zum vorgesehenen Drehzahlbereich passen. Perfekt eingestellt sind deine Steuerzeiten also nicht über einen einzelnen Wert. Das Ergebnis muss zum Zylinder, zum Auspuff, zur Einlasssteuerung, zur Verdichtung und zur Übersetzung passen. Jede Änderung hältst du fest und vergleichst sie mit dem Zustand davor. So siehst du, welche Anpassung das Zusammenspiel wirklich verbessert und ob ein weiterer Bearbeitungsschritt fachlich begründet ist.







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