Hercules Prima: Was die Baureihe so besonders macht

30 Apr. 2026

Über drei Jahrzehnte lang rollte das Prima-Mofa vom Band. Wenn ein Töffli so lange gebaut wird, muss es etwas Besonderes sein. Tatsächlich überzeugte das Hercules-Töffli Generationen von Töfflibuebe und Töfflimeitli mit robuster Technik und unkomplizierter Wartung. In diesem Beitrag erfährst du, wie sich das Mofa von der M-Serie bis zum 5S entwickelt hat, welche technischen Daten die einzelnen Modelle auszeichnen und warum diese Perle auch heute noch ein ideales Töffli für Daily-Driver ist. Wenn du bim Läse scho Benzingeruch i dr Nase hesch: dä Artikel isch genau für dich.

Dauerbrenner aus Nürnberg: das Prima-Mofa

Das Prima-Töffli zählt zu den am längsten gebauten Mofa-Baureihen überhaupt. Von Mitte der 1970er Jahre bis 2005 lief die Produktion – erst unter dem Namen Hercules, ab 1995 als Sachs Prima. Diese lange Bauzeit hat einen einfachen Grund: Das Konzept stimmte.

Hercules setzte bei dieser Baureihe auf ein bewährtes Baukastenprinzip. Die Nürnberger Firma baute Rahmen, Blechteile und Fahrwerkskomponenten selbst, während die Motoren von Fichtel & Sachs aus Schweinfurt kamen. Diese Arbeitsteilung hatte Tradition – Hercules und Sachs arbeiteten seit den 1930er Jahren zusammen, und ab 1958 gehörten beide sogar zum selben Konzern. Das Ergebnis: solide Rahmen kombiniert mit einem robusten Sachs-Motor, der sich tausendfach bewährt hat. Dazu kommen die hohen Stückzahlen. Hercules baute das Hödi in grosser Serie, was sich bis heute positiv auf die Ersatzteillage auswirkt. Originalteile, Nachfertigungen und gebrauchte Komponenten findest du ohne grosse Mühe – ein klarer Vorteil, wenn du ein solches Töffli restaurieren oder im Alltag fahren willst.

Von der M-Reihe zur Prima: Geschichte der Baureihe

Die Geschichte des Mofas beginnt Mitte der 1970er Jahre. Damals brachte Hercules die M-Reihe mit den Modellen M1 bis M5 auf den Markt – aus ihnen entwickelte sich später die Baureihe. Du erkennst diese frühen Töfflis recht einfach am eckigen Scheinwerfer mit integriertem Tacho (ohne separates Cockpit), am schmaleren Tank mit einfachem Stopfen als Deckel, an den verchromten Schutzblechen und am kleinen Rücklicht, das direkt am hinteren Schutzblech sitzt. Um 1980 taufte Hercules die M-Reihe in Prima um. Die ersten Modelle kamen als 2N, 4N und 5N auf den Markt.

Mit dem neuen Namen kamen auch Änderungen: ein separates Cockpit mit Tacho und Zündschloss, ein breiterer Tank mit abschliessbarem Deckel, ein stabiler Gepäckträger mit grösserem Rücklicht und ein überarbeiteter Motor (505/2BY statt 505/2B) mit 49 statt 47 cm³ Hubraum. Im Laufe der Jahre erweiterte Hercules die Modellpalette und passte die Ausstattung immer wieder an den Zeitgeschmack an: neue Farben, andere Felgen, veränderte Details.

1995 übernahm Sachs Bikes die Motorradproduktion von Hercules. Das Töffli blieb im Programm, hiess fortan aber Sachs Prima. Bis 2005 liefen noch die Modelle 4 und 5 vom Band – dann endete nach rund 30 Jahren die Ära dieser Baureihe.

Die Mofamodelle im Überblick

Die Baureihe gliedert sich in mehrere Modellgruppen, die sich in Antrieb, Tankform und Ausstattung unterscheiden. Im Folgenden stellen wir dir die Automatik- und Schaltmodelle vor, erklären die Besonderheiten von Sicherheitsmofa und Sport-Varianten und zeigen, was die verschiedenen Ausstattungsstufen voneinander unterscheidet.

Automatik-Modelle: Prima 2 und 4

Das Prima 2 und das 4 sind die Einsteigermodelle mit Automatikgetriebe und Sachs 505/1B-Motor. Der Unterschied liegt im Aufbau: Das Modell 2 hat einen schlanken, in den Rahmen integrierten Tank mit 4 Litern Fassungsvermögen und rollte als einziges Mofa der Baureihe neben dem 3er ab Werk auf Speichenrädern. Das Mofamodell 4 der Baureihe dagegen trägt den typischen ovalen Aufbautank mit 4,5 Litern und fuhr ab Werk auf Snowflake bzw. Druckgussfelgen. Mit rund 42 kg Leergewicht zählt das Prima 2 zu den leichtesten Vertretern der Baureihe.

Rote Hercules Prima 4 in einer Garage

Schaltmodelle: Prima 3, 5 und 5S

Das Prima 3, 5 und das 5S-Töffli kommen mit 2-Gang-Handschaltung und Sachs 505/2B-Motor. Das Mofamodell 3 teilt sich mit dem 2er den schlanken Rahmentank und die Speichenräder – es wurde allerdings nur bis etwa 1993 gebaut und gilt heute als eines der selteneren Töfflis dieser Baureihe. Das Modell 5 und seine Varianten bekamen den grösseren Aufbautank mit 4,5 Litern spendiert.

Ab 1993 erhielt das 5S Töffli einige Neuerungen: Statt der Handschaltung kam eine 2-Gang-Fussschaltung mit Kickstarter zum Einsatz. Gleichzeitig wechselte Hercules auf eine kontaktlose 12-Volt-Iskra-Zündung. Optisch erkennst du das 5S an den sportlicheren Stern-Gussrädern, die die älteren Snowflake-Felgen ablösten, und an den offenen Sportfederbeinen am Heck.

Prima 6: Das Blinker-Mofa

Eine kurze Karriere hatte das Modell 6 der Baureihe, das von 1979 bis 1981 gebaut wurde. Sein Alleinstellungsmerkmal: eine serienmässige Blinkanlage – damals bei Mofas noch keine Selbstverständlichkeit. Technisch basiert es auf dem Vorläufermodell 5 mit 2-Gang-Handschaltung.

Prima S: Das Sicherheitsmofa

Von 1979 bis 1985 vermarktete Hercules das Mofamodell S als «Sicherheitsmofa». Die Ausstattung war üppig: vier Blinker mit 21-Watt-Birnen, zwei verstellbare Aussenspiegel, ein gepolsterter Beinschutz, Reflektoren an den Pedalen, Schmutzfänger an beiden Schutzblechen und sogar ein kleiner Verbandkasten. Das Cockpit vereinte Scheinwerfer, Tacho und Zündschloss in einer Einheit mit Schaumstoff-Prallschutz. Besonders auffällig war die leuchtend orange Lackierung. Technisch basierte das S-Mofa auf dem Modell 5.

Die Mofamodelle 5SL und 4SL: Mehr Tank, mehr Verkleidung

Wer längere Touren plante, konnte zur SL-Variante greifen. Das Mofamodell 5SL und sein Automatik-Pendant 4SL brachten einen grösseren 5,2-Liter-Tank mit. Dazu kamen Kunststoffverkleidungen, die sich vom Tank bis zum Heck zogen, sowie ein praktisches Gepäckfach anstelle des üblichen Gepäckträgers.

Hercules Prima 5SL

Prima GT, GX, SX und G3: Die Sport-Mofas

Optisch aus der Reihe fallen das GT, GX, SX und G3 Töffli – diese Hercules-Hobel erinnern mit ihrer durchgezogenen Tank-Sitzbank-Kombination eher an ein Mokick als an ein klassisches Töffli. Auch unter der Haube unterscheiden sie sich: Hier arbeitet ein Sachs 506/3B(Y)-Motor mit 3-Gang-Handschaltung statt des üblichen 505ers. Der schrägstehende Zylinder leistet 1,6 PS aus 50 cm³ und ermöglicht Steigungen von bis zu 35 Prozent. Der GX und der GT Hobel wurden von 1985 bis 1995 gebaut und erhielten verstärkende Unterzugstreben am Rahmen. Beim SX Töffli kam eine kürzere Sitzbank ohne Soziusplatz zum Einsatz.

Hercules Prima GT in rot-weiß vor Bergiger Kulisse

Ausstattungsvarianten: N und S

Hercules bot die meisten Töfflis in verschiedenen Ausstattungsstufen an. Der Zusatz «N» (zum Beispiel 5N) bezeichnet die Basisvariante. Der Zusatz «S» (zum Beispiel 5S) steht – nicht zu verwechseln mit dem Sicherheitsmofa «Prima S» – für gehobene Ausstattung: runder Scheinwerfer mit separatem Cockpit, Zündschloss, verchromte Schutzbleche, teilverchromter Tank, grösseres Rücklicht am Sachs-Mofa mit Bremslichtfunktion und Rückspiegel.

Motor und Antrieb: Technische Daten

In den meisten Modellen der Baureihe steckt der Sachs 505 – ein luftgekühlter Einzylinder-Zweitakter, den Fichtel & Sachs in verschiedenen Ausführungen lieferte.

Die Automatik-Modelle 2 und 4 nutzen den Sachs 505/1B mit Fliehkraftkupplung und einem Gang. Der Hubraum liegt bei 47 cm³, die Leistung bei 1,1 kW (ca. 1,5 PS).

Die Mofamodelle 3, 5 und 5S kommen mit dem Sachs 505/2B bzw. 505/2BY und 2-Gang-Handschaltung. Je nach Baujahr beträgt der Hubraum 47 oder 49 cm³, die Leistung bleibt bei 1,1 kW. Das Drehmoment von 3,2 bis 3,5 Nm steht bei rund 3000 U/min an. Einen anderen Weg gehen die Sport-Varianten GT und GX. Der Sachs 506/3B(Y) mit 3-Gang-Schaltung ist sportlicher ausgelegt und unterscheidet sich deutlich von den anderen Motoren der Baureihe.

Ab Werk erreichen die Mofa-Varianten maximal 25 km/h. Die technisch verwandten Moped-Modelle der P-Reihe und die Optima-Hobel schaffen 40 km/h – mit grösserem Vergaser, anderem Zylinder und längerer Übersetzung.

Im Alltag zeigt sich das Töffli genügsam. Mit rund 1,5 bis 1,6 Litern auf 100 km kommst du je nach Tankgrösse (4 bis 5,2 Liter) zwischen 120 und 200 Kilometer weit. Gemischt wird klassisch 1:50 mit Zweitakt-Motor-Öl.

2-Takt Öl Stage6 Racing vollsynthetisch 1L

 

Fahrwerk und Bremsen

Bei den technischen Daten zum Fahrwerk unterscheiden sich die Modelle (ausser GT/GX) kaum voneinander.

Alle nutzen einen verwindungssteifen Stahlrohrrahmen mit tiefem Durchstieg. Vorne arbeitet eine Teleskopgabel mit 80 mm Federweg, hinten eine Zweiarmschwinge mit zwei Federbeinen und 50 mm Federweg. Gebremst wird vorne und hinten mit mechanisch betätigten Trommelbremsen, jeweils 90 mm im Durchmesser. Zusätzlich verfügen alle Modelle über eine Rücktrittbremse am Hinterrad.

Das Leergewicht variiert je nach Modell zwischen 52 und 58 kg – das Töfflimodell 5 bringt rund 55 kg auf die Waage. Je nach Modell und Baujahr setzte Hercules auf 16- oder 17-Zoll-Felgen. Anfangs kamen Druckgussräder im Snowflake-Design zum Einsatz, beim Mofamodell 5S später solche mit sportlicherem Stern-Design.

Zündung und Elektrik

Je nach Modell und Baujahr unterscheiden sich die technischen Daten bei der Elektrik deutlich. Die frühen Modelle (2 bis 5) nutzen eine klassische 6-Volt-Unterbrecherzündung. Die Technik ist zuverlässig, verlangt aber regelmässige Wartung. Unterbrecherkontakte und Zündkerze solltest du regelmässig kontrollieren, und der Zündzeitpunkt will ab und zu nachgestellt werden.

Zündkerze NGK B10HS, Kurzgewinde

Anders sieht es beim 5S Töffli aus. Hier verbaute Hercules eine kontaktlose 12-Volt-Iskra-Zündung. Sie arbeitet wartungsärmer und liefert einen kräftigeren Zündfunken. Auch die Lichtausbeute profitiert von der höheren Spannung. Zusätzliche Ausstattung brachten die S-Modelle mit. Hercules spendierte ihnen eine Blinkanlage und ein grösseres Rücklicht mit Bremslichtfunktion. Teilverchromte Details rundeten die sportlichere Optik ab.

Das 5S Töffli: Das Flaggschiff der Baureihe

Unter den Mofamodellen der Baureihe nimmt der 5S Hobel eine Sonderstellung ein. In den frühen 90er Jahren lag der Hercules-Hobel preislich und ausstattungstechnisch über den anderen Modellen. Schon optisch fällt das 5S-Töffli auf. Hercules bot es in Lackvarianten wie Magenta, Jadegrün und Schwarz-Metallic an. Dazu kamen eine markante Lampenmaske, verchromte Federbeine und sportliche Sternfelgen statt der Snowflake-Räder.

Auch bei der Ausstattung legte Hercules nach. Ein Cockpit mit separatem Mofa-Tacho und Kilometerzähler gehörte ebenso dazu wie ein grosser Sicherheits-Scheinwerfer. Das Bremslicht reagiert sowohl auf die Hand- als auch auf die Fussbremse.

Ab 1993 kam die Fussschaltung mit Kickstarter dazu. In Kombination mit der 12-Volt-Elektrik bietet das 5S Töffli damit spürbar mehr Komfort als die Basismodelle – kein Wunder, dass dieser Hobel bei vielen Töfflimeitli und Töfflibuebe besonders gefragt war.

Technische Daten der Modelle im Überblick

Merkmal Prima 2/4 Prima 3 Prima 5 Prima 5S Prima 5SL
Motor Sachs 505/1B Sachs 505/2B Sachs 505/2B Sachs 505/2BY Sachs 505/2B
Getriebe Automatik (1-Gang) 2-Gang-Hand 2-Gang-Hand 2-Gang-Hand/Fuss 2-Gang-Hand
Hubraum 47 cm³ 47–49 cm³ 47–49 cm³ 49 cm³ 47 cm³
Leistung 1,1 kW (1,5 PS) 1,1 kW (1,5 PS) 1,1 kW (1,5 PS) 1,1 kW (1,5 PS) 1,1 kW (1,5 PS)
Drehmoment 3,2 Nm 3,2–3,5 Nm 3,2–3,5 Nm 3,5 Nm 3,2 Nm
Tankinhalt 4 L / 4,5 L 4 L 4,5 L 4,5 L 5,2 L
Zündung 6 V 6 V 6 V 12 V (Iskra) 6 V
Bremsen Trommel 90 mm v/h Trommel 90 mm v/h Trommel 90 mm v/h Trommel 90 mm v/h Trommel 90 mm v/h
Federweg v/h 80/50 mm 80/50 mm 80/50 mm 80/50 mm 80/50 mm
Leergewicht ca. 52 kg ca. 53 kg ca. 55 kg ca. 55 kg ca. 58 kg
Vmax (Mofa) 25 km/h 25 km/h 25 km/h 25 km/h 25 km/h
Verbrauch ca. 1,5 L/100 km ca. 1,5 L/100 km ca. 1,6 L/100 km ca. 1,6 L/100 km ca. 1,6 L/100 km

Pluspunkt für Schrauber: auch heute noch eine entspannte Ersatzteil-Versorgung

Wer heute ein Modell dieser Hercules- bzw. Sachs-Baureihe sein Eigen nennt, darf sich freuen: ein dankbares Projekt. Über drei Jahrzehnte Bauzeit und hohe Stückzahlen sorgen für eine entspannte Ersatzteilsituation. Originalteile, Nachfertigungen und gebrauchte Komponenten sind nach wie vor gut erhältlich – von Dichtungen über Kolben bis hin zu Karosserieteilen. Auch die Technik kommt Schraubern entgegen. Mit etwas Werkzeug und Geduld lässt sich ein Töffli dieser Baureihe mit überschaubarem Aufwand wieder flott machen.

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