Pony-Töfflis aus Feuerthalen

20 Jan. 2026

Die Rössli, die nie aufgeben wollten

Puch weg, Zündapp Geschichte, Piaggio raus aus dem Mofa-Geschäft – und Pony? Baut immer noch. Seit 1961 entstehen GTX- und Cross-Mofas praktisch unverändert bei Amsler in Feuerthalen. Wie ein kleiner Schweizer Betrieb am Rhein alle Grossen überlebt hat und warum seine Töfflis heute noch laufen wie am ersten Tag, erfährst du in unserem Artikel. Lies ine, und du weisch grad, warum Pony und Schwiizer Handarbeit eifach zämeghöred.

Aufbruchsjahre und der neue Traum von Bewegung

In den 1960er-Jahren veränderte sich die Schweiz spürbar. Fabriken liefen auf Hochtouren, Lehrstellen waren gefragt, und viele Menschen blickten optimistisch nach vorn. Unabhängigkeit und die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wann und wohin man fährt, wurde zu einem neuen Ideal. Und plötzlich konnten sich auch junge Leute Dinge leisten, die früher unerreichbar schienen. Für die Jungend wurde das Mofa zum Symbol dieser neuen Freiheit – günstig im Unterhalt, einfach zu bedienen, und natürlich bot das Töffli auch damals schon jede Menge Fahrspass. Wer ein Hödi hatte, konnte jederzeit aufsteigen und losfahren – hinaus ins Grüne, zum See oder einfach der Sonne nach.

Pony-Töfflis aus Feuerthalen

Der Mofa-Boom und ein kleiner Betrieb am Rhein

Als der Bund Anfang der Sechziger die neue Fahrzeugklasse der Motorfahrräder einführte, bekam diese Sehnsucht nach individueller Mobilität eine konkrete Form. Schon bald eroberten die kleinen Zweitakter die Strassen. Marken wie Puch, Zündapp, Piaggio oder Hercules brachten ihre Modelle in die Schweiz und lösten einen regelrechten Mofa-Boom aus.

Aufkleber Pony 120 x 20 mm «schwarz»

Mitten in dieser Welle wagte auch ein kleiner Betrieb am Rhein den Schritt in die Produktion: Amsler & Co. AG aus Feuerthalen. Das Unternehmen hatte bis dahin Velos und feinmechanische Bauteile hergestellt – mit viel Handarbeit und technischem Know-how. 1961 begann es, ein eigenes Mofa zu entwickeln, das in Qualität und Langlebigkeit mit den grossen Namen mithalten sollte. Mit dem ersten Pony-Töffli schrieb Amsler den Anfang einer Geschichte, die bis heute anhält. Das Konzept war einfach: ein robustes, zuverlässiges Töffli, das man verstehen, warten und fahren konnte, ohne Spezialwerkstatt und ohne überflüssige Technik. Damit traf Pony genau den Nerv der Zeit – und legte den Grundstein für eine der beständigsten Erfolgsgeschichten der Schweizer Mofa-Geschichte.

Pony Logo

Technik, wie sie funktioniert – Konstruktion und Konzept

Als in den 1960er-Jahren die Nachfrage nach Mofas sprunghaft stieg, blieb Amsler & Co. AG in Feuerthalen ein vergleichsweise kleiner Hersteller – aber mit klarer Linie. Die ersten Pony-Perlen entstanden in Serie, doch viele Arbeitsschritte erfolgten noch in Handarbeit. Der Rahmen der ersten GTX Mofas und Cross Hödis wurde im eigenen Haus aus Stahlrohr geschweisst, während zentrale Baugruppen von bewährten Partnern stammten: Sachs lieferte die Motoren, Bosch die Mofa-Beleuchtung, und Instrumente wie der Tachometer von VDO kamen ebenfalls aus externer Fertigung.

Rahmen & Aufbau – was man sieht und was hält

Aus diesem Teilen entstand ein Töffli, das sich im Alltag bis heute bewährt: Stahlrohrrahmen mit sauber gezogenen Nähten, stabile Aufnahmen für Motor und Schwinge, Leitungen und Züge so geführt, dass sie weder scheuern noch knicken. Tank, Seitendeckel und Lampenhalter sind schlicht, zweckmässig und lassen sich bei Bedarf ohne Spezialwerkzeug abnehmen. Das Ergebnis ist kein Leichtbau, sondern ein robustes Chassis, das auch nach Jahren sauber spurtreu bleibt.

Antrieb – von Sachs zu Beta

In den frühen Baujahren war das Pony-Töffli mit einem Sachs-Zweitaktmotor (Typ 502, 503 oder 504) ausgerüstet. Diese Motoren waren weit verbreitet, zuverlässig im Betrieb und unkompliziert zu warten. Mofa-Ersatzteile gab es damals an jeder Ecke – viele Komponenten waren baugleich mit anderen Hödis, was Reparaturen besonders einfach machte.

Als die Produktion der 2-Takt-Motoren in Schweinfurt eingestellt wurde, fand Amsler in Italien einen würdigen Nachfolger: den Betamotor. Der 49-cm³-Zweitakter mit 2-Gang-Automatik liefert rund 1,2 PS, läuft ruhig und gilt als äusserst langlebig. So blieb das Amsler seinem Prinzip treu – einfache Technik, solide gebaut und gemacht für den Alltag.

Motorgehäuse Sachs 503-ABL CH (Handgeschaltet)

Wartung und Alltag – zuverlässig, reparierbar, liebenswert

Ein Pony-Hobel war schon immer eine Perle, auf die man sich verlassen konnte – und ist es bis heute geblieben. Wenn doch einmal etwas kaputtging, liess es sich meist in Eigenregie flicken. Auch das hat sich bei den Rössli aus Feuerthalen kaum geändert: Wer will, kann vieles selbst machen.

Züge nachstellen, Zündkerze am 2-Takter wechseln, Töffli-Vergaser reinigen – mit etwas Geduld und dem richtigen Werkzeug kein Problem. Genau das macht die Hödis aus Feuerthalen bis heute so liebenswert: solide gebaut, einfach zu warten und gemacht für Daily Driver.

Vergaser SHA 13/13 für Pony Cross, GTX 521

Seit den 1960ern: dieselben Mofa-Modelle – behutsam weiterentwickelt

Amsler hat die Modellpalette seit Jahrzehnten schmal gehalten und beschränkte sich auf die Produktion der zwei bekannten Modelle GTX und Cross. Über die Jahrzehnte wurden beide Mofamodelle immer wieder angepasst, verfeinert und technisch verbessert, ohne den vertrauten Aufbau zu verändern. Die beiden Rössli aus Feuerthalen stellen wir dir nun etwas genauer vor.

Pony GTX – der Klassiker für die Strasse

Der GTX-Hobel war das erste Serienmodell von Pony Motos und prägte ab 1961 das Bild der Marke. Der verschweisste Stahlrohrrahmen mit integriertem Mofa-Tank war stabil, aber leicht gebaut – ideal für den täglichen Einsatz auf der Strasse. Seine Geometrie blieb über Jahrzehnte nahezu gleich, was viele Teilegenerationen kompatibel machte. Angetrieben wurde der Hobel zunächst vom Sachs 503, einem luftgekühlten 49-cm³-Zweitakter mit rund 1,2 PS bei 4 000 – 4 200 U/min und 2-Gang-Schaltung (je nach Baujahr Fuss- oder Handschaltung). Für die Gemischaufbereitung sorgt ein Dell’Orto SHA Vergaser, geschmiert wird mit 1:50-Gemisch.

Das GTX-Töffli war eher für geteerte Strassen gebaut: 16-Zoll-Räder, Trommelbremsen vorn am GTX und hinten, Strassenpneus in den Grössen 2¼–16 oder 2½–16, weiche Federung und eine Sitzposition, die auch längere Wege angenehm macht. Über die Jahre wurden Mofa-Beleuchtung, Elektrik (Bosch/CEV) und die Sitzbank modernisiert, ohne den ursprünglichen Charakter zu verändern.

Neueres Modell. Typ GTX, mit Sachs-503-Motor, einem automatischen 2-Gang-Getriebe und einem Katalysatorauspuff

Pony Cross – stabil, robust & zuverlässig

Das Cross-Töffli teilt Rahmen und Antrieb mit dem GTX, wurde aber insgesamt etwas robuster aufgebaut. Der Motor blieb derselbe – zuerst der Sachs 503, später der Beta 521-Zweitakter mit 49 cm³, 1,2 PS und 2-Gang-Automatik, teils mit leicht angepasster Übersetzung. Das Pony-Cross fuhr auf 16-Zoll-Rädern mit breiteren Pneus (meist 2¾–16) für besseren Halt auf losem Untergrund.

Eine verstärkte Teleskopgabel mit längerer Federung, eine stabilere Schwingenlagerung, ein breiter Lenker und ein leicht angehobener Vorderradkotflügel gaben dem Hobel mehr Kontrolle und Reserven. Bei vielen Baujahren war der Sattel etwas höher montiert, um die aufrechtere Sitzposition zu betonen.

Motor Beta 521 mit E-Starter (Pony und Cilo Cross 521 & Pony GTX)

Ab den späten 1980er-Jahren setzte Amsler bei beiden Modellen auf neue Lackrezepturen mit besserem UV- und Benzinschutz sowie auf steckbare Kabelverbindungen statt verlöteter Kontakte – eine kleine, aber sinnvolle Verbesserung für Wartung und Pflege.

Damit blieb das Cross-Töffli stets strassenzugelassen (Kategorie M, 30 km/h), aber bereit für gröberes Terrain. Ein Pony, das auch dann noch ruhig läuft, wenn der Weg einmal nicht perfekt geteert ist.

Neustes Modell. Typ Cross, mit Beta-Motor, einem automatischen 2-Gang-Getriebe sowie Katalysator

Von Kollege – Ricardo, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=3675925

Die Rössli aus Feuerthalen: ein besonderes Stück Zweiradgeschichte

Über 60 Jahre nach dem ersten Pony-Töffli wird in Feuerthalen immer noch gebaut. Die Fertigung läuft ruhiger als in den Boom-Jahren, aber das Prinzip ist geblieben: GTX und Cross entstehen weiterhin am selben Ort, nach denselben Grundsätzen. Wer heute ein Pony fährt, fährt ein Stück Schweizer Geschichte – gebaut von einem Betrieb, der allen Trends und Krisen getrotzt hat. Während andere Hersteller längst verschwunden sind, sind die Rössli aus Feuerthalen weiter unterwegs. Einfach, zuverlässig, charmant und liebenswert: So wie ein Töffli sein soll.


Bildquelle Beitragsbild: Pony 503 GTX KAT Von Marcus Da Windschi – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=130732801

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