Die seltene Perle aus Sirnach
Zwischen Puch Maxi- und Piaggio Ciao- Töfflis fällt er sofort auf: tiefer Sitz, lange Gabel, ein Lenker, der in den Himmel ragt. Wer diese Perle heute auf der Strasse sieht, dreht sich um, nicht nur wegen des ikonischen Designs, sondern auch, weil der Hobel eine echte Rarität ist. Mit geschätzten 500 bis 600 gebauten Exemplaren gehört er zu den seltensten Mofas der Schweiz. Der Chopper war ein Gegenentwurf zu allem, was damals auf zwei Rädern unterwegs war: keine praktische Alltagsperle, sondern ein Statement. Wir zeigen dir, woher dieses Töffli kommt, was technisch drinsteckt und wo du die seltenen Ersatzteile für den Alpa Chopper bekommst. So e Hobel gsehsch nid jede Tag – chum, mir lueged de Alpa zäme ganz gnau aa.
Von Dietikon nach Sirnach – die Geschichte der Alpa-Werke
Der Chopper stammt aus gutem Haus. Seine Geburtsstätte, das Alpa-Werk in Sirnach, gilt als eine der ältesten noch in Betrieb stehenden Velofabriken der Schweiz – Schweizer Zweirad-Handwerk jahrzehntelanger Tradition. Grund genug, auch die Geschichte des Herstellers kurz vorzustellen.
Die Anfänge: Velos, Lichtanlagen und ein Konkurs
Der Name Alpa taucht erstmals in den 1920er-Jahren auf. Die Firma A. Schneider & Cie. vertrieb darunter Velos, Lichtanlagen und sogar Radioapparate – zunächst in Amriswil, später in Dietikon. Nach einem Umzug nach Sirnach ging das Unternehmen 1930 in Konkurs. Ein Jahr später wurde die Alpa-Werke AG neu gegründet. In Sirnach entstanden fortan komplette Velos für die eigene Marke Alpa sowie für Rola und Avanti, die Eigenmarken des Bieler Grossisten Waldmeier & Co., und für die zur Titan AG gehörende Marke Bernina. Ab 1973 wurden dort zudem die Rahmen für Cresta gefertigt.
Ab 1961: Die Sirnacher steigen ins Mofa-Geschäft ein
1961 begann in Sirnach auch die Produktion von Mofas. Für Stähli + Co. aus Thun entstanden dort Töfflis mit Sachs-Motoren, die unter dem Markennamen Staco verkauft wurden. In den folgenden Jahren kamen Modelle wie Rodeo, Tornado, Turbo und Bobby hinzu. Keines von ihnen erreichte jedoch die Bekanntheit des Alpa Chopper Mofas, das in den 1980er-Jahren zum wohl kultigsten Töffli aus Sirnach wurde.
Heute: Velos statt Mofas
2001 wurden die Alpa-Werke von der Komenda AG übernommen. Seither werden in Sirnach nur noch Velos montiert – Mofas gibt es dort schon lange nicht mehr. Aber der Hobel lebt weiter, in den Garagen jener Töfflibuebe und Töfflimeitli, die eines dieser raren Exemplare ihr Eigen nennen.
Warum ein Chopper-Mofa? Die Idee hinter dem Thurgau-Töffli
Ein serienmässiges Chopper-Töffli war in den 1980er-Jahren alles andere als selbstverständlich. Bevor es mit der Geschichte aus Sirnach weitergeht, führt der Weg deshalb kurz über den Atlantik. Der Custom-Stil hat seine Wurzeln in der amerikanischen Motorradkultur. Spätestens seit dem Film „Easy Rider“ von 1969 träumten Zweiradfahrer weltweit davon, auf einer Maschine mit langer Gabel und hochgezogenem Mofa-Lenker durch die Gegend zu cruisen. Auch in der Schweiz gab es in den 70er- und 80er-Jahren Töfflimeitli und Töfflibuebe, die diesen Stil feierten und ihre Töfflis umbauen wollten.

Das Problem: Passende Teile gab es kaum. Wer sein Mofa zum Chopper umbauen wollte, musste improvisieren – die Gabel der Puch Perle verlängern, den Lenker für das Peugeot Töffli selbst biegen und dazu die Halterungen als DIY-Projekt schweissen. Ein aufwändiges Unterfangen, das handwerkliches Geschick und viel Zeit erforderte. In diese Lücke stiessen die Alpa-Werke. Sie brachten ein Mofa auf den Markt, das schon ab Werk als Chopper konzipiert war: verlängerte Vordergabel, steiler Lenkkopfwinkel, hoher Lenker, reduziertes Design. Kein Umbau nötig, einfach aufsitzen und Abfahrt. Das war damals einzigartig in der Schweiz und in ganz Europa.
Design ohne Kompromisse – was die Stilikone kennzeichnet
Was unterscheidet den Alpa Chopper von einem normalen Töffli? Auf den ersten Blick: alles. Seine lang gestreckten Proportionen, die ungewöhnliche Sitzposition und der markante Auftritt folgen konsequent dem Vorbild amerikanischer Chopper. Die lange Vordergabel und der Lenkkopfwinkel von rund 45 Grad bestimmen die gesamte Silhouette. Dazu kommt der hohe Lenker, der zusammen mit der tiefen Sitzposition für die typische, leicht nach hinten geneigte Haltung sorgt. Du sitzt mit weit nach vorn gestreckten Armen auf dem Töffli und erlebst dadurch ein Fahrgefühl, das sich deutlich von dem eines klassischen Mofas unterscheidet. Auch bei der übrigen Gestaltung konzentrierten sich die Sirnacher auf das Wesentliche. Auf überflüssige Verkleidungen und Anbauteile wurde verzichtet. Rahmen, Motor, Räder und die notwendige Ausstattung bleiben sichtbar und prägen eine klare, reduzierte Linie. Ab Werk war das Alpa Chopper Mofa in Perlmutt, Blau und Rot erhältlich. Heute begegnen dir auch viele Exemplare in Schwarz oder Silber. Dabei handelt es sich häufig um später restaurierte oder individuell angepasste Töfflis.

Das Fahrverhalten des Alpa Chopper Mofas verlangt zunächst etwas Eingewöhnung. Auf gerader Strecke liegt der Hobel dank seines langen Radstands ruhig und stabil. In engen Kurven machen sich jedoch der lange Radstand, die weit nach vorn gezogene Gabel und der flache Lenkkopfwinkel bemerkbar. Der Wendekreis fällt gross aus, und die Lenkung reagiert deutlich träger als bei einem klassischen Töffli. Auch bei Regen zeigt sich eine kleine Schwäche, denn die gestreckte Sitzposition bietet weniger Schutz vor Spritzwasser und Nässe.
Technische Daten im Überblick
Technisch geht das Mofa einen anderen Weg als die übrigen Alpa-Modelle. Hier findest du die wichtigsten Eckdaten.
Motor und Antrieb
Im Hobel arbeitet ein Franco Morini FM-T5 – ein italienischer Einbaumotor aus der legendären Zweiradschmiede in Casalecchio di Reno mit 49,9 ccm Hubraum. Während die meisten anderen Modelle der Mofaschmiede aus dem Thurgau mit Sachs-2-Taktern ausgestattet waren, setzten die Sirnacher bei diesem Flaggschiff-Modell auf verlässliche und temperamentvolle Morini-Aggregate. Ersatzteile für den Morini-2-Taker deines Alpa-Choppers gibt es glücklicherweise noch öfter. Beatmet wird der Morini-2-Takter von einem Dell’Orto SHA 14-9 Vergaser. Die gleiche Kombination kam auch bei Malaguti-Mofas zum Einsatz, was dir heute bei der Ersatzteilsuche zugutekommt.
Fahrwerk und Bremsen
Vorne federt eine Teleskopgabel, hinten sorgen zwei Federbeine für Komfort. Nach den damaligen Standards und Massstäben war das Alpa-Chopper-Fahrwerk luxuriös. Gebremst wird beim Alpa Chopper mit mechanischen Trommelbremsen an beiden Rädern. Der Lenkungsdämpfer gehört zur Serienausstattung – bei der langen Gabel und dem flachen Lenkkopfwinkel ist das wichtig, sonst kann der Lenker bei Unebenheiten flattern. Die Räder laufen auf Grimeca-Leichtmetallfelgen im Format 1.35 x 16 Zoll. Die Reifen des Alpa Choppers sind vorne 2 1/2-16 und hinten 2 3/4-16 – etwas breiter als bei vielen anderen Mofas, was dem Chopper eine sattere Strassenlage gibt.
Details im Überblick
| Motor | Fahrwerk | Bremsen & Räder | Abmessungen |
|---|---|---|---|
| Franco Morini FM-T5 | Teleskopgabel (vorne) | Trommelbremsen (vorne/hinten) | Länge: 1900 mm |
| 49,9 ccm Hubraum | Zwei Federbeine (hinten) | Grimeca-Felgen 1.35 x 16″ | Achsabstand: 1290 mm |
| 0,66 kW Leistung | Lenkungsdämpfer serienmässig | Reifen vorne: 2 1/2-16 | Höhe: 1180 mm |
| Dell’Orto SHA 14-9 Vergaser | Reifen hinten: 2 3/4-16 | Leergewicht: 55 kg |
Nur 500 bis 600 Stück – warum der Alpa Chopper so selten ist
Das Thurgau-Töffli war von Anfang an ein Nischenprodukt. Das Design war spektakulär, aber für den Alltag wenig praktisch: Der grosse Wendekreis machte das Manövrieren in engen Gassen mühsam, bei Regen wurde man schnell nass und die gestreckte Sitzposition war auf längeren Strecken anstrengender als auf einem klassischen Mofa. Dazu kam der höhere Preis. Wer sich für das revolutionäre Mofa entschied, tat das nicht aus praktischen Gründen, sondern weil ihm der aussergewöhnliche Look wichtiger war. Die Nachfrage blieb entsprechend überschaubar. Zwischen 500 und 600 Exemplare verliessen in den 1980er-Jahren die Werkshallen in Sirnach, danach war Schluss. Damit gehört die Perle aus Sirnach heute zu den seltensten Schweizer Mofas überhaupt.
Darauf solltest du bei Alpa-Scheunenfunden achten
Falls du die Gelegenheit hast, ein Alpa Chopper Mofa zu kaufen, sei es über ein Inserat oder als Scheunenfund, solltest du den Zustand besonders sorgfältig prüfen. Gerade bei einem so seltenen Töffli können fehlende Originalteile oder unbemerkte Schäden schnell zum Problem werden.
Rahmen und Zustand
Der Rohrrahmen ist das Teil, das sich nicht ersetzen lässt. Ersatzrahmen gibt es praktisch keine, und Reparaturen an tragenden Teilen sind aufwändig. Deshalb gilt: Nimm den Rahmen genau unter die Lupe, bevor du dich entscheidest. Achte besonders auf die Schweisspunkte – dort setzt sich gerne Rost fest. Auch die Motoraufnahmen und die Schwingenlagerung sind typische Problemzonen. Rostblasen und abblätternder Lack sind Warnsignale. Im Zweifel mit dem Schraubenzieher an verdächtigen Stellen kratzen: Bröselt’s, sitzt der Rost tief. Ein Rahmen mit oberflächlichem Flugrost lässt sich aufarbeiten. Wenn der Rost aber an tragenden Stellen bereits durchgefressen hat, frisst dir die Restaurierung schnell die Haare vom Kopf. In dem Fall also besser weitersuchen.

Originalität prüfen
Komplett originale Alpa Chopper sind extrem selten. Bei den meisten Exemplaren wurden in den vergangenen 40 Jahren Verschleissteile oder andere Komponenten durch Nachbau-, Universal- oder Bauteile anderer Mofas ersetzt. Das ist bei einem Töffli dieses Alters normal und kein Grund, nicht zu kaufen. Was wirklich zählt: Ist es eine echte Thurgau-Perle? Das prüfst du über die Rahmennummer. Bei dem Sirnacher Töffli findest du sie hinten oben auf dem Rahmen, beim Gepäckträger.
Typische Problemzonen
Chromteile sind bei alten Töfflis oft in Mitleidenschaft gezogen. Beim Alpa-Mofa betrifft das vor allem den Lenker und diverse Kleinteile. Die Neuverchromung ist möglich, aber teuer.
Die charakteristische lange Vordergabel gehört zu den schwer beschaffbaren Originalteilen des Alpa Chopper Mofas. Prüfe deshalb besonders sorgfältig, ob sie gerade ist und die Standrohre frei von tiefen Kratzern, Roststellen und anderen Beschädigungen sind.
Die Elektrik des Alpa Choppers arbeitet mit 6 Volt und ist technisch einfach gehalten. Sie versorgt die Zündung sowie Scheinwerfer und Rücklicht und kommt ohne Steuergeräte oder komplexe Elektronik aus. Bei einer Störung lassen sich Kabel, Anschlüsse, Spulen und Leuchtmittel deshalb gezielt mit einem Multimeter prüfen. Passende Ersatzteile für Zündung und Beleuchtung sind meist noch gut erhältlich.
Ersatzteile und Restaurierung – was geht, was nicht
Falls du eine dieser legendären Perlen besitzt oder restaurieren möchtest, merkst du bei der Ersatzteilsuche schnell, dass es bei manchen Baugruppen deutlich einfacher wird als bei anderen. Was du heute noch gut bekommst und wo du mit längerer Suche rechnen musst, zeigen wir dir in den folgenden Abschnitten.
Gut beschaffbar
Die gute Nachricht: Für den Motor und den Vergaser sieht die Ersatzteillage heute besser aus als noch vor einigen Jahren. Franco Morini Teile sind über verschiedene Kanäle erhältlich – der gleiche Motor wurde auch in Malaguti-Mofas verbaut, was das Angebot vergrössert. Lager, Wellendichtringe, Kolben, Zylinder – das meiste lässt sich beschaffen. Auch hochwertige Nachbauteile sind mittlerweile für einige Komponenten verfügbar.
Für den Dell’Orto SHA 14-9 gibt es ebenfalls Ersatzteile: Dichtungssätze, Schwimmer, Vergaser-Düsen. Kein Problem.
Universalteile wie Kabelzüge, Ketten, Bremsbeläge oder Scheinwerfer und Rücklichter passen oft von anderen Mofas oder sind als Nachbau erhältlich.
Schwierig bis unmöglich
Bei Rahmenteilen und Blechteilen wird es eng. Nachfertigungen gibt es praktisch keine, und originale Gebrauchtteile sind extrem selten. Falls du einen Rahmen mit Rostschäden hast, musst du entweder schweissen lassen oder lange nach einem Ersatz suchen.
Auch originale Chromteile und die chopper-spezifische Gabel sind Mangelware. Hier hilft nur Geduld und ein gutes Netzwerk. Bei manchen Teilen bleibt als einzige Option, etwas Passendes anfertigen zu lassen – was Zeit und Geld kostet.
Netzwerken
Originalteile sind rar, und Nachfertigungen sind nicht für alle Komponenten erhältlich. Bei einem so seltenen Töffli ist der Austausch mit anderen Töfflimeitli und Töfflibuebe deshalb besonders wertvoll. Dass heute überhaupt noch fahrtüchtige Alpa Chopper Mofas auf der Strasse unterwegs sind, ist auch den Schraubern zu verdanken, die ihr Wissen teilen, Teile weitergeben und sich gegenseitig bei ihren Projekten unterstützen. In Foren und Gruppen findest du Gleichgesinnte, deren Erfahrungen und Kontakte bei der Suche oft entscheidend weiterhelfen. Natürlich findest du auch bei Scooti Ersatz- und Verschleissteile für das Alpa Chopper Mofa. Falls du dir bei der Auswahl oder der Kompatibilität unsicher bist, hilft dir das Scooti-Team gerne weiter.
Selten, markant, unvergessen
Der Alpa Chopper ist kein Töffli für den Alltag – und war es auch nie. Wer heute noch einen fährt oder restauriert, braucht Geduld, ein gutes Netzwerk und eine Portion Leidenschaft fürs Schrauben. Dafür bekommst du ein Stück Schweizer Ingenieurskunst aus dem Thurgau, von dem es weltweit nur ein paar Hundert gibt. Und das Gefühl, etwas Seltenes am Laufen zu halten, das andere nur von Bildern kennen.







Sind die Lenker der gezeigten Mofas original? Es waren doch z Lenker montiert!
Hallo Hanspeter,
danke für deinen Kommentar. Die gezeigten Lenker sind nicht original. Wenn du eine Möglichkeit hast oder jemanden kennst, der jemanden kennt, der Bilder des Alpa Chopper im Originalzustand besitzt, würden wir uns freuen, wenn du uns was zusendest.
Ansonsten finden Töfflimeitli und Töfflibuebe hier die große Auswahl an passenden Lenkern!